Kopflosigkeit unter Denkmalschutz

Text: Peter Baumgartner

Denkmale hatten bereits unter Kaiser Franz Joseph I. große Bedeutung in Österreich. Inzwischen stehen hier mehr als 39.000 Objekte unter Denkmalschutz. Weil uns die Erhaltung des kulturellen Erbes besonders wichtig ist, gibt es auch schon seit 100 Jahren ein eigenes Denkmalschutzgesetz. Und jedes Jahr veranstaltet das Bundesdenkmalamt den „Tag des Denkmals“ als denkwürdiges Ereignis.

Manchmal werden dabei ganz unbekannte, unscheinbare Kostbarkeiten in das öffentliche Interesse gerückt und verdiente Persönlichkeiten um den Denkmalschutz werden jedes Jahr ausgezeichnet.

Die kopflose antike Frauengestalt aus dem Görtschitztal ist ein zeitloses Dokument einer kopflosen Politik. Quelle: Peter Baumgartner

Ein wichtiger Bereich im Denkmalschutz ist die Denkmalforschung. Oftmals liefert erst die Wissenschaft Erkenntnisse, die die Bedeutung eines Denkmals erklären können. Vielfach sind Denkmäler nämlich Zufallsfunde, deren historische Einordnung besonders schwierig ist. Eines dieser zufällig aufgefundenen Denkmäler ist die kopflose Frauengestalt vom Görtschitztal. Eine riesige, marmorne Sitzstatue ohne Kopf. Aufgefunden wurde sie erst im 19. Jahrhundert in einem örtlichen Bachbett, wo sie viele Epochen dem öffentlichen Bewusstsein verborgen blieb. Seit ihrem Fund gab die Statue der Wissenschaft Rätsel auf. Zahlreiche Mythen rankten sich um die imposante Frauengestalt, aber erst jetzt konnte eine Vermutung aufgeklärt und das historische Rätsel gelöst werden. Und dabei es gab einige Überraschungen. Die Statue, mit Sicherheit antiken Ursprungs, ist keine Gottheit und kein Schutzpatron. Die Statue wurde auch nicht enthauptet. Vielmehr hat der unbekannte Künstler/Künstlerin absichtlich keinen Kopf auf die Schultern gesetzt um damit schon eine frühzeitig herrschende Kopflosigkeit der Politik im Land zu dokumentieren. Erstaunlich ist die Zeitlosigkeit des Kunstwerkes. Gleichzeitig wurde auch belegt, dass kopflose Politik keine reine Männerdomäne war, sondern durchaus von beiden Geschlechtern kultiviert wurde. Erfreulich ist, dass die heutige Politik um die Bewahrung dieses kulturellen Erbes unermüdlich bemüht ist. Nicht nur das kostbare Zeitdokument selbst, sondern auch die politischen Führungsqualitäten, die seinerzeit zur Entstehung des Denkmals geführt haben, werden gepflegt. Und der Umstand, dass die Bevölkerung nahezu geschlossen hinter dieser „Idee“ von antikem Politikverständnis steht, hat die örtlichen Erhalter des Denkmals nun für die Denkmalschutzmedaille-2024 prädestiniert. (PB)