Womit füttert die Alma Mater ihre Studenten?

2024 wollte der neue Rektor Peter Moser von der Montan-Uni Leoben öffentliche Auftritte der Studentenverbindungen begründet untersagen. Damit hat er eine „Kulturrevolution“ (© Chefred. Hubert Patterer) ausgelöst – und ist gescheitert. Das war für Leoben nämlich ein No-Go, alle Stadtpolitiker waren sich darin einig.

Mit dem gewalttätigen Überfall auf einen Taxilenker in Leoben, hat die Burschenschaft und die rechtsextreme Szene jetzt wieder für eine Welle öffentlicher Aufmerksamkeit gesorgt. Der gemeinsame Nenner in der Öffentlichkeit und unter Politikerinnen aller Fraktionen ist auch wieder schnell gefunden: Jede Form von Gewalt ist abzulehnen. Damit ist es dann mit der Einigkeit aber auch schon vorbei und die Diskussion gipfelt wie gehabt in den Fragen, ob Rechtsextreme „im Herzen der Demokratie“ arbeiten dürfen und ob die Organisation eine „blaue Kaderschmiede“ ist. Schnell wurde wieder die öffentliche Debatte der schlagenden Burschenschaften an den Universitäten abgewürgt. Eine höchstpersönliche „Distanzierung“ der Magnifizenz reicht dafür in der Regel. So war es zumindest immer in den letzten Jahren. „Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen“, lautet das universitäre Diktat.

Es gehört zur österreichischen „Kultur“ und zur „Tradition“ wie wir leben wollen, dass schneidige Burschen den Rahmen für wichtige Feste bilden.
Quelle: Peter Baumgartner

Doch gerade an der renommierten Montan-Uni Leoben, wo immerhin Österreichs wichtigste Montanisten, Juristen, Sachverständige und Beamte ausgebildet werden, gibt es regelmäßig die gleiche Beschwichtigungsformel. Sogar für die Stadtpolitiker in Leoben, egal welcher Partei, steht die Tradition und der „Leobner Geist“ in Vordergrund und beim Sprung über das Arschleder steht die gesamte Elite der Republik regelmäßig Spalier, wenn die Chargierten mit gezücktem Säbel „Habt acht“ stehen. „Würdest Du Rechtsextreme für Dich arbeiten lassen“, fragte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim provokant. Nein, kann ich ganz klar antworten. Die sollen für mich aber nicht nur nicht im Parlament und bei den Parteien arbeiten, ich will sie auch nicht in den Amtsstuben, bei den Sachverständigen, als Anwälte, bei der Polizei, als Mitarbeiter der Vierten Gewalt oder in sensiblen Betrieben haben. Dass im Parlament endlich eine Diskussion darüber stattfindet, was der Wahlspruch: Ehre, Freiheit, Vaterland oder lebenslange Freundschaft und hundertprozentiges Einstehen, für die Ausfertigung von amtlichen Dokumenten oder „unabhängigen“ Medienberichten bedeutet, ist nicht zu erwarten. Vielleicht braucht man halt auch in einer Demokratie Charaktere, die die Drecksarbeit machen? Hauptsache die Würde des Hohen Hauses bleibt gewahrt.

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