WIR müssen sparen!

Der Bürger bürgt für die Schulden seiner Regierung. Deshalb müssen WIR sparen, wenn die Regierung Schulden macht. OK, die Theorie mit den „breiten Schultern“, die mehr tragen sollten, hat sich nicht durchgesetzt. Aber die sprachliche Nähe zwischen Bürger und Bürge kann unmöglich zufällig sein. Vielmehr soll der Bürger ganz offensichtlich in Gestalt eines Bürgen dem Hauptschuldner (Regierung) zunächst das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit geben und ihn letztlich wohl auch vor den Gläubigern in Schutz nehmen. Da werden schon ein paar Galgenvögel dabei sein, mit denen nicht zu spaßen ist. Im Vertrauen darauf können unsere Politiker unbeschwert Schulden machen wie sie wollen, denn es ist immer jemand da, der die „Zech“ fristgerecht bezahlen muss – wir Bürgen. Darüber hinaus vergessen wir gerne, wer der Hauptschuldner eigentlich ist und dass der sogar mit Überzeugung den kompletten Staatsruin herbeiführen kann, ohne dass sich irgendwer dagegen auflehnt. Einzigartig bei dieser eigenartigen Kreditabsprache ist, dass der Bürge die wahren Gläubiger gar nicht kennt und keinen Einfluss auf die Kreditkonditionen hat.

„Neue Sneakers für meinen Sohn, das Reitpferd meiner Frau, die unzähligen „Must Haves“ für meine Tochter. Die Leute haben keine Ahnung, was solche Luxury goods kosten. Ich gönne mir nur noch die Jagerei. Jeder Einkaufstag in diesem Luxusschuppen kostet mich ein Vermögen.“ Der globale Luxusgütermarkt soll bis 2030, wie jedes Jahr, wieder um ein paar Prozentpunkte steigen und mehr als 392 Mrd. US-Dollar betragen, sagen Experten. Die emotionale Bindung zur Individualität und Designermarken ist ungebrochen.

Mehr noch, wir Bürger als Bürgen ermächtigen die Hauptschuldner sogar, auf unser Vermögen flexibel zuzugreifen. Theoretisch ist es gut möglich, dass unter dem Hauptschuldner-Konsortium auch unsere Gläubiger sitzen. Besonders in Regierungsverhältnissen, wo die Opposition praktisch nicht vorhanden ist und/oder der externe (Lobbyisten)Einfluss besonders stark ist, kommt das Sprichwort „Bürgen soll man würgen“ zur vollen Entfaltung. Aktuell kann man das in der gegenwärtigen Regierungskonstellation gut studieren. Fakt ist, unsere Hauptschuldner sind an einem Schuldenstand angelangt, wo es für uns Bürgen um die Wurscht geht. Wenn sich jetzt der Hauptschuldner vorzeitig aus dem Staub macht, bleiben wir Bürgen (wieder) auf den Schulden sitzen und können nur nach vorheriger „Schuldnerberatung“ einen neuen Hauptschuldner wählen. Das nennt man übrigens „Wahlrecht“ und das ist auch ein wesentlicher Grund, warum die Verantwortung in der Politik immer auf die Vorgänger abgeleitet wird. Vor diesem Hintergrund hatte doch tatsächlich ein Hauptschuldner die Chuzpe, mit geborgtem Geld zu inserieren, „Die fetten Jahre sind vorbei“. Man verspricht jetzt, wo es längst zu spät ist „echte Reformen“, die aber „weh tun werden“ (Van der Bellen). Das klingt stark nach dem Zauberlehrling, der bereits seine Zauberformel vergessen hat. Eigentlich sollte der laut und flehend nach seinem Meister rufen. Die Lehre daraus für die Bürgen muss sein, sich als Wähler ultimativ die Frage zu stellen, will ich wirklich für solche Kandidaten bürgen?

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