Wie würde Wilhelm Busch heute dichten?

Text: Peter Baumgartner

Am 12. Dezember 2023 soll der Bericht des Rechnungshofes betreffend Lebensmittel-Versorgungssicherheit-2023 dem Parlament mit der einstimmigen Empfehlung des Rechnungshofausschusses zur Kenntnisnahme vorgelegt werden. Eine Kenntnisnahme des Berichtes ohne konkrete Handlungsaufträge und Terminisierungen durch das Parlament an die zuständigen Gremien ist jedoch nicht vorstellbar, wie die nachfolgende Darstellung zeigt.

Der RH stellte in seinem Bericht fest: Das Landwirtschafsministerium hatte sich nicht optimal auf die Sicherstellung der Lebensmittelversorgung in Österreich – insbesondere in Krisenfällen – vorbereitet und gibt eine Reihe von Empfehlungen ab, die in Summe von einem Multiorganversagen im Zuständigkeitsbereich zeugen.

Ernährungssicherheit liegt gemäß der Ernährungs– und Landwirtschafsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) dann vor, wenn Menschen jederzeit physischen und wirtschaftlichen Zugang zu sicherer, genügender, ihren Essgewohnheiten entsprechender und ausgewogener Ernährung haben, um ein aktives Leben in Gesundheit führen zu können.

Das heißt, wenn die Verfügbarkeit, der Zugang und die Stabilität der Lebensmittel gegeben ist, aber deren Verwendung (Gesundheit) nicht gewährleistet ist, kann nicht von einer Ernährungssicherheit in Bezug auf die Selbstversorgungsrate gesprochen werden. Ungesunder Boden entzieht der landwirtschaftlichen Produktion den Kernbereich der Ernährungssicherheit hinsichtlich pflanzlicher und tierischer Erzeugnisse.

Genau diese Situation haben aber aktuell private Bodenuntersuchungen im Raum St. Veit/Glan sichtbar gemacht. An neun verschiedenen Standorten wurden praktisch alle Stoffe im Boden gefunden, die da nicht hingehören und deren Herkunft bis dato nicht bekannt sind. Einige Stoffe, wie Arsen, Blei, Chrom, Cobalt, Nickel und Zink, wurden vom untersuchenden Labor als hoch bzw. sehr hoch eingestuft und liegen deutlich über den AustroPOPs-Werten. HCB, Dioxine und Furane werden als „auffällig“ dargestellt. Um eine weitere Bodenverschlechterung zu verhindern, empfiehlt das Labor dringend, ein Monitoring durchzuführen.

Maßgeblicher Einflussfaktor für die Ernährungssicherheit in Österreich ist u.a. die Bodenverfügbarkeit und die Bodenfruchtbarkeit. Das wird vom Rechnungshof so auch klar festgestellt. In Österreich liegt der Fokus diesbezüglich aber beim Bodenverbrauch und bei der Wasserverfügbarkeit. Die Bodengesundheit spielt eine untergeordnete Rolle und die Bodenfruchtbarkeit wird ausschließlich über die gute und richtige Düngung definiert. Schädliche Einträge über Luft/Wasser spielen keine Rolle (Hinweis: im Zuge des HCB-Unfalls/Görtschitztal-2014 musste ein Grundwasserbrunnen gesperrt werden. Ein Verzehrverbot von Fischen aus der Gurk ist noch immer aufrecht).

Das heißt: In Österreich sagt fruchtbarer Boden (und ausreichend Wasser) noch nichts über die Lebensmittelqualität und damit über die Versorgungssicherheit aus. Gesunder Boden, frei von Schwermetallen und Chemikalien, muss daher in der Risikomatrix für die Ernährungsvorsorge dringend als „hoch“ eingestuft werden. Das ist derzeit nicht der Fall.

In der gegenwärtigen Situation scheint dem Lenkungsausschuss für die Lebensmittel-Versorgungssicherheit der richtige Zugang für maßgebliche Entscheidungen zu fehlen und es scheint geboten, dessen Expertise durch Hereinnahme zusätzlicher Fachrichtungen (Medizin, Chemie, Konsument) zu verbessern.

Das Gute, dichtet Wilhelm Busch, -dieser Satz steht fest- Ist stets das Böse, was man läßt! (PB)

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