What a Waste!

Bauen mit Müll, Zement statt Deponie, Grillkohle aus Müll, CO2-Zertifikat-Handel mit Müll, Dünger aus Müll und sogar „Bio“-Erde aus Müll. „Wir haben festgestellt, dass Asche nicht entsorgt oder als Abfall behandelt wurde, sondern durch verschieden Nutzungen wieder in den wirtschaftlichen Kreislauf zurückgelangten“, sagt ein Carabinieri-Kommandeur vor dem Hintergrund internationaler Strafverfolgung.

Das ist nicht der Plan, den die EU mit der Kreislaufwirtschaft verfolgt hat. Die Absicht hinter den europäischen Regeln für die Kreislaufwirtschaft war, den Bürgerinnen und Bürgern hochwertige, funktionelle und sichere Produkte zu bieten (Aktionsplan 3-2020). Doch die Kreislaufwirtschaft wird von einem grundsätzlichen Denkfehler getragen. Man versteht darunter ein Wirtschaftssystem, dass praktisch als Breitbandantibiotika gegen Umweltzerstörung, Ressourcenmissbrauch und Rohstoffabhängigkeit wirken soll. Jedoch, das genaue Gegenteil ist der Fall. Die Kreislaufwirtschaft, so wie sie von unserer Wirtschafts- und Industriepolitik verstanden wird, hat eine starke Ähnlichkeit mit einem Kreisverkehr, wo der Verkehr ständig im Kreis fährt und wenn er eine Ausfahrt wählt, landet er unweigerlich in einer Sackgasse. Ausgerechnet in dieser Disziplin ist Österreich Spitzenreiter und hat dafür sogar das amtliche OECD-Siegel. Ein typisches Merkmal dieses Marktversagens ist zum Beispiel, der Müll wird nicht weniger. Im Gegenteil! Die Weltbank geht in ihrer Analyse davon aus, dass sich das Abfallaufkommen bis 2050 verdoppeln wird.

Hugin & Munin denken sich ihren Teil über die Kreislaufwirtschaft – aber sie verraten ihre Gedanken leider nicht mehr. Quelle: Peter Baumgartner

Für die Umwelt ist das ein Trauma, für die Kreislaufwirtschaft eine Frohbotschaft und wenn möglich, sollte möglichst viel Müll in Österreich landen. Deshalb hat die Kreislaufwirtschaft auch einen „Schengenraum für Abfall“ gefordert – und bekommen. Der Müll anderer Länder verbessert unsere Zirkulationsrate und damit den jetzt schon sehr hohen Umsatz in der Kreislaufwirtschaft. Die große Herausforderung ist, wie dreht man den Müll im Kreis, damit die Bevölkerung dabei nicht krank wird. Lässt sich das Grundproblem mit Innovation lösen? Im Moment geht die Entwicklung allerdings eher in die Richtung, Kreislaufwirtschaft statt Gesundheit. Die Beimischung selbst giftigster Abfälle gilt derzeit noch immer als innovativ, wenn dabei „Grenzwerte“ eingehalten werden, ein verkaufsfähiges Produkt entsteht und sich die Rohstoffe im Kreis drehen. Negative Externalitäten spielen dabei keine Rolle, weil die Kreislaufwirtschaft die Umweltkosten nicht selber tragen muss. Müsste beispielsweise die hochgelobte Müllverbrennung als innovative Form der Kreislaufwirtschaft ihre Umweltkosten selber tragen, würde sie nicht nur in ein ökonomisches Desaster führen, sondern auch den Kumulationseffekt für die Volksgesundheit sichtbar machen.

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