One Health
Bei der Gesundheitsreform stehen Macht und Milliarden im Mittelpunkt – es geht aber nicht um die Gesundheit. Die „Systemerhalter und Systemerhalterinnen blicken in ein tiefes Loch, wo ihr Leistungsanteil versickert.
Nach einem Jahr intensiver politischer Gespräche, ist mit der Gesundheitsreform ein „historischer Wurf“ gelungen – sagt die ÖVP. Nein, hier ist nicht die Rede von der aktuellen Gesundheitsreform, sondern von der im Dezember 2023. Heuer ist aber wieder ein Reformjahr zu Ende, dass von der Regierung als „historische Chance“ verkauft wird. Und 2018 hat uns Kurz/Strache an einem „historischen Tag“ eine „Patientenmilliarde“ versprochen, auf die wir seither vergeblich warten. Soviel zu den „historischen Momenten“ der jüngeren Gesundheitspolitik. Ob es Momente von großer Bedeutung waren, liegt wohl im Auge des Betrachters. Die Medien haben das „Stockerl“ jedenfalls brav apportiert und ihre Analyse reicht in Schulnoten von gut bis nicht genügend – ohne überhaupt die Themenverfehlung zu beurteilen. Inhaltlich geht es bei der „Gesundheitsreform“ (wieder) um einen zu teuren „Gesundheitsdschungel“.

Eine Reform soll daher die „bestmögliche Patientenversorgung“ und endlich eine langfristige, tragfähige und faire Finanzierung bringen. In diesem Zugang liegt jedoch schon der sprichwörtliche Hund begraben. Man spricht von einem Gesundheitssystem und meint ein Krankheitssystem. Das zu reformieren, ist in Österreich aber augenscheinlich grundsätzlich ausgeschlossen – außer man nimmt die 60+ Gesellschaft „an die Kandare“, wie es der Ökonom und Hippologe Ernest Pichlbauer formulierte. Ein „Gesundheitssystem“ müsste sich aber an die Grundsätze von „One Health“ orientieren und die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt im Gleichgewicht halten. Das hätte auch nachhaltige Auswirkungen auf die Finanzierung, weil es eine verursachergerechte Finanzierung der Gesundheitskosten durch die „Lebensgefährder“ (©Karl Nehammer) geben würde.
In einem Gesundheitssystem nach „One Health“ steht nicht der kranke Mensch im Mittelpunkt, wie sich das die Regierung jetzt wünscht, sondern der Mensch, der noch gar nicht krank ist, die Tiere und die Umwelt, die vor den „Lebensgefährdern“ geschützt werden müssen. Das macht einen bedeutenden Unterschied. Schließlich ist der häufigste geäußerte Wunsch in der zwischenmenschlichen Beziehung nicht umsonst „G‘sundheit! Sollst leben“.
Logisch, am billigsten kommt der Volkswirtschaft also die Erkrankung, die es gar nicht gibt. Gesundheitsrelevante Belastungen der Umwelt sind daher zu vermeiden. Menschen, die in einer belasteten Umwelt leben und von den Klimawandelfolgen (Hitzestress) betroffen sind, werden krank. Daraus entstehen erhebliche gesundheitlich bedingte Folgekosten, die aber von der Gesamtgesellschaft und nicht von den Verursachern getragen werden. Würde nur die Industrie ihre wahren Kosten selber tragen, bräuchten wir uns über die Finanzierung des Gesundheitssystems keine Gedanken machen. Unsere Politik versucht aber lieber die Quadratur des Kreises zu lösen, statt sich an logischen und erreichbaren Zielen zu orientieren und umweltassoziierte Erkrankungen zu vermeiden.








