La fabbrica dei profumi
Vor 50 Jahren (10. Juli 1976) ereignete sich in der Region um Meda und Seveso, nahe Mailand, ein schwerer Chemieunfall mit schlimmen Folgen für Mensch und Umwelt. Erst eine Woche später erfuhren die Bewohner, was in ihrer „fabbrica dei profumi“ („Fabrik der Düfte“) passiert ist. Eine Dioxinwolke hat sich über die Umgebung ausgebreitet. Kinder bekamen sofort schlimme Hauterkrankungen, Tiere und Pflanzen starben. „Seveso“ steht seither auf einer Stufe mit „Minamata“ und anderen Industrieverbrechen. Regelmäßig wiederholen sich diese verantwortungslosen Managementversagen durch immer neue Unfälle. „Damit das nicht geschieht, bin ich die Antwort, bist du die Antwort – bewahre die Zukunft“, schrie ein in schwarzes Tuch gehüllter Kinderchor bei der Jubiläumsfeier ihrem Präsident Mattarella zu. Der erinnerte seinerseits an die „unerträgliche Verantwortungslosigkeit“ der Unternehmensleitung, eines zu Hoffmann La Roche zählenden Chemiewerkes ICMESA/Givaudan. In der sogenannten „Seveso-III-Richtlinie“ werden jetzt angeblich Maßnahmen vorgeschrieben, die schwere Unfälle künftig vermeiden sollen. Zuletzt wurden in der EU 10 836 Betriebe von dieser Richtlinie erfasst. In Österreich waren es 2022 163 Betriebe. Doch kann man davon ausgehen, dass längst nicht alle Anlagen mit einem hohen Gefährdungspotential Seveso-Betriebe sind und nicht mal alle Seveso-Betriebe können regelmäßig kontrolliert werden, ob sie die notwendigen Betriebsvorschriften einhalten. Deshalb passieren trotz aller Sicherheitsvorschriften weiterhin zu viele Unfälle. Die OECD meint gar, dass bezüglich chemischer Unfälle im Vergleich mit vergangenen Ereignissen, noch kein Lerneffekt zu sehen ist. Im letzten Berichtszeitraum 2019-2022 waren es in der EU insgesamt 87 Unfälle, mit 24 Toten und 86 Verletzten. Die Langzeitfolgen, Umweltschäden und deren Folgekosten werden noch immer nicht erfasst. Immerhin, ein Tätigwerden ist dringend notwendig, schreibt die EU in ihrem Aktionsplan „Schadstofffreiheit von Luft, Wasser und Boden“, weil bereits einer von acht Todesfällen auf Umweltverschmutzung zurückzuführen ist.

Die drei wichtigsten umweltbedingten Todesfälle sind dabei Krebs, Herzkrankheiten und Lungenerkrankungen. Doch das spielt in unserer Gesundheitspolitik neben der medial geführten Pseudo-Debatte über Arzttermine und Finanzierbarkeit, keine wesentliche Rolle. Der italienische Präsident Sergio Mattarella fand beim persönlichen Auftreten bei der Seveso-Gendenkfeier tröstende Worte für jene Menschen, darunter fast 200 Kinder, die jetzt und in der Vergangenheit die schwersten menschlichen Leiden durch die „unerträgliche Verantwortungslosigkeit des obersten Managements“ erlitten haben. Unser Präsident und Wirtschaftswissenschaftler Alexander Van der Bellen, hat beispielsweise zum HCB-Desaster und zur Vergiftung des Görtschitztales durch die Zementindustrie auch zehn Jahre danach, noch keine Worte des Mitgefühls oder der Kritik gefunden. Dafür spielt er gerne den Anstandswauwau für Politikerinnen – allerdings ohne Erfolg.









