Krankes Gesundheitssystem

Nun ist sie endlich da, die „Patientenmilliarde“! Aber nicht da, wo sie sein sollte. Wer den Jackpot wohl geknackt hat? Oder war das seinerzeitige türkis/blaue Versprechen vom großen Gewinn durch die Zusammenlegung der Krankenkassen auch nur eine Lüge? Jetzt ist sogar die Gesundheitskasse krank und der neue Chef, ein Spross der US-Pharmaindustrie sucht auch die Milliarde. Er wird sie nicht finden, so viel ist sicher. Deshalb muss die ÖGK – sparen. Man will nur noch Leistungen finanzieren, „die wir brauchen“. Wer bestimmt in diesem Land eigentlich, wer welche medizinischen Leistungen braucht? Nötiges muss von Unnötigem getrennt werden, lautet die Forderung. Aha, da hat jemand zumindest den Unterschied erkannt. Und die Gesundheitsökonomie ist auch schon draufgekommen, dass wir eine „Reparaturmedizin“ haben. Das ist gut für die Werkstatt, aber schlecht für den Autobesitzer. Doch der Vergleich hinkt. Im Straßenverkehr versucht man die Straßen „befahrbar“ zu machen, damit die Vehikel nicht dauernd in der Werkstatt stehen. Bei der Reparaturmedizin ist das anders. Da verstärkt man die „Schadensursachen“, damit die „Vehikel“ öfter zur Reparatur müssen. Jeder Autobesitzer würde den Straßen Erhalter klagen, wenn er die Frostschäden nicht beseitigt. Potentielle Patienten können das (noch) nicht. Schon 1998 berichtete die Wissenschaft von der „sanften Kastration“ durch Umweltchemikalien. Inzwischen ist die Liste der Erkrankungen durch allgegenwärtige Chemikalien endlos. Die Bekämpfung der Ursachen erfolgt mit Globuli oder gar nicht. Von Asthma über Herzerkrankung bis hin zu Krebs, die Schäden, die auf Luftverschmutzung zurückgeführt werden sind mehr als bekannt. Helfen sollen „Selbstkontrollen“ der Verursacher. Auf Grundlage der Europäischen Umweltagentur (EUA) wurde in der Schweiz errechnet, dass der volkswirtschaftliche Schaden durch die Zementindustrie fast eine halbe Milliarde Franken pro Jahr beträgt. Bei uns hat man diese Rechnung noch nicht mal aufgestellt. Wir ordnen es einfach unter „Reparaturmedizin“ ein und irgendwer wird die „notwendigen medizinischen Behandlungen“ schon zahlen.

Quelle: Peter Baumgartner

Wie man mit dieser „Frage“ in einem Land umgeht, dessen Gesundheitskosten besonders unter Druck stehen, zeigt eine Diskussion im Kärntner Landtag. Da ging es um den Luftgütebericht. Immerhin hat sich das Land zwei Luftgüte-Sanierungsgebiete eingehandelt und eklatante Lücken im Messnetz, die partout nicht geschlossen werden möchten. Dennoch war das Thema schnell abgehandelt. Der Sprecher der Regierungspartei ließ wissen, dass eh alles sauber dokumentiert wird und der gesamte Landtag erklärte sich angesichts der zunehmenden Verkehrsbelastung bereit, über zusätzliche Messstellen für besonders gefährdete Personen mit dem Bund zu verhandeln. „Luft brauch ma olle, is das Wichtigste wos ma hobn. Deswegen mias ma mit da Luft anständig umgehen“, war die kurze Zusammenfassung des Punktes. Erledigt. Debatte über Zusammenhang Luftqualität – Gesundheit? Fehlanzeige. Ursachenforschung? Fehlanzeige. Ursachen Beseitigung? Fehlanzeige. Das sind alles nicht Aufgaben der Politik. Sie kümmert sich dann später um die „Reparaturmedizin“.

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