Kärnten ist sehr beliebt

Text: Peter Baumgartner

Zwei Wahrzeichen prägen das Bild. Ein Wahrzeichen (Burg Hochosterwitz) steht für ein charakteristisches Objekt der Landesgeschichte und das andere „Wahrzeichen“ (Müllverbrennung) überlagert die Schönheit und hat mehr etwas mit Wahrheit oder Wirklichkeit zu tun.
Bild: Peter Baumgartner

„Kärnten ist das beliebteste Bundesland in Österreich.“ Glaubt man einer Werbung der Immobilienwirtschaft, müsste Kärnten auch das bevölkerungsreichste Land sein, denn nirgendwo ist die Lebensqualität besser als in Kärnten, suggeriert die Umfrage von sREAL in Kooperation mit Wohnnet. Solche Werbeslogans mögen den hiesigen Immobilienbesitzern durchaus helfen, die Realität, was den Beliebtheitsgrad Kärntens betrifft, schaut jedoch deutlich anders aus. Ein Blick auf die Bevölkerungsstatistik und die Prognosen reicht aus. Kärnten ist das einzige Bundesland, dass langfristig mit einem schmerzlichen Bevölkerungsverlust zu rechnen hat (Stat. Austria). Zur Erläuterung kann man noch Präsident Petschnig vom Wirtschaftspolitischen Beirates zitieren, der von wirkmächtigen Faktoren im Land spricht. Kärnten ist das Land mit der höchsten Verschuldung und es ist nicht klar, ob wir unsere Hausaufgaben in Zukunft noch erfüllen können. Und – völlig konträr zur Immo-Werbung, Kärnten verliert massiv an Mitarbeiterpotential. Jedes Jahr verlassen Zehntausende junge Menschen das Land in Richtung Graz und Wien. Die große, sehr reale Angst ist, dass Kärnten mit der Inbetriebnahme der Koralmbahn zum Schlafzimmer wird. Da nützt ein Bestplatz im Ranking der Immobilienwirtschaft offensichtlich auch nicht wirklich. Vielleicht sind die Menschen doch nicht so dumm, wie manche Politikerinnen meinen. Ja, man gibt sich alle Mühe, Graf Potjomkin nachzueifern. Aber die Illusionen zerplatzen, wenn Fakten und Zahlen sichtbar machen, wo Lebensqualität und Zukunft zerstört wird. Doch statt gegenzusteuern und die Weichen für die Zukunft zu stellen, lautet das Dogma der verantwortlichen Entscheidungsträgerinnen im Land, „nur über Positives reden“. Keine schlechten Wahrheiten kommunizieren. DDr. Johann Neuner hat eine Gegenstrategie. Er fordert den mutigen Einsatz des eigenen Verstandes – sonst wird der Punkteabzug dramatisch ausfallen.

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