Herzogstadt St. Veit/Glan – lernen am Objekt
Die Herzogstadt St. Veit ist kurz vor ihrem 900-Jahre-Jubiläum noch immer „auf der Suche nach neuen City-Impulsen“. Mittlerweile ist die Impulssuche selber bereits zu einer fixen Innenstadtbelebung geworden.
Zahlreiche Experten aus der Schweiz, Deutschland und Österreich, haben sich nacheinander vor Ort intensiv mit der Innenstadt beschäftigt, um anschließend gemeinsam mit dem Bürgermeister ihre Projekte der Presse vorgestellt. Der nachhaltige Erfolg ist bis dato jedoch leider ausgeblieben. Die Suche wird wohl weitergehen und zumindest konnte sich St. Veit als 1:1 Testgebiet für Stadtentwickler etablieren. Beginnend mit dem „City-Marketing“, hat sich St. Veit schon mit vielen Markennamen versucht. Sonnenstadt, Blumenstadt und sogar Einkaufsstadt, stand bereits am Programm. Auch die örtliche Zuordnung wanderte schon von City über Innenstadt bis hin zur Altstadt und wieder zurück. Momentan fokussiert man sich auf die Marke Altstadt – noch immer ohne genau zu benennen, was damit genau gemeint ist. Reden wir von der Stadt innerhalb der Stadtmauern, oder zählt der 10. Oktoberplatz auch noch dazu.

Bild: Peter Baumgartner
Was ist mit dem einzigartigen Fuchs-Hotel, den Schlössern und Burgen außerhalb der Stadtmauer? Karl-Markus Gauß, der geschätzte Schriftsteller und ein grundsätzlicher Grenzen-Kritiker, hat geschrieben, „Die Grenze ist in Wahrheit das Zentrum“. Eine schöne Vorstellung, wenn man bedenkt, dass die Herzogstadt ohnehin viel zu klein ist, um darin auch noch Grenzen zu ziehen. Und wenn schon Kon-zentra-tion, soll hier tatsächlich nur ein profanes Einkaufszentrum stattfinden? Wo ist das geistige, kulturelle, religiöse, politische und das schöpferische Zentrum? Ist die „Mitte des Lebens“ nur ein Synonym für Shopping? Dann ist es wohl tatsächlich der „Verlust der Mitte“, dem Hans Sedlmayr nachgetrauert hat. Die offizielle Kirche hat die drohenden fundamentalen Verluste längst erkannt und Zusammenarbeit angeboten. Kardinal Schönborn stellte 2024 bei den „Kommunalen Sommergesprächen“ sehr konkrete Beispiele zur Diskussion, wo Kirche und Gemeinde im Interesse der Bürger zusammenarbeiten könnte.
„Lassen wir die Kirche im Dorf“, forderte der Wiener Erzbischof und plädierte für ein intensives Miteinander von Pfarrgemeinde und politischer Gemeinde. Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettner brachte 2025 ebenfalls eine enge Kooperation von Kirche und Gemeinde, ganz konkret im Kampf gegen den Leerstand und gegen verödende Ortskerne, ins Spiel. Selbst Politikern, die mit der katholischen Religion nichts am Hut haben sollte klar sein, dass die kirchlichen Einrichtungen und Immobilien, ein wichtiger und wertvoller Teil der Gemeinschaft sind. Sie bei der Stadtplanung nicht zu berücksichtigen, ist eine grobe Unterlassung. Übrigens steht St. Veit vor der nicht ganz einfachen Aufgabe, das „Örtliche Entwicklungskonzept“ (OEK) neu aufzulegen. Diese Verpflichtung nach dem Kärntner Raumordnungsgesetz-2022, zwingt die Gemeinde binnen fünf Jahren eine grundsätzliche und themenübergreifende Planung (mit Bürgerbeteiligung) für die nächsten 10 Jahre zu treffen. Vor diesem Hintergrund an Einzelmaßnahmen von zeitlicher und räumlicher Tragweite herumzudoktern, untergräbt die Idee der langfristigen Gesamtplanung. Der Bezirk St. Veit mit der Bezirksstadt hat zahlreiche selbstverschuldete Problemfelder, die weit über das „Einkaufsproblem“ hinausreichen. Probleme kann man aber nicht mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. St. Veit versucht es gerade trotzdem. Das ist keine gute Voraussetzung für das große Jubiläumsjahr 2031 – vor allem, wenn man die zukünftige Generation von Entscheidungen und Mitverantwortung aussperrt.









