„G’sundheit! – Sollst leben“
Das Gedränge am Futtertrog kann manchmal schlimme Folgen haben. In der Schweineforschung ist man schon einen Schritt weiter. Durch kognitive Herausforderungen, lassen sich die Gewohnheiten der Tiere steuern und negatives Verhalten reduzieren.
Gastgeberin Susanne Schnabl hat sich bei der letzten ORF-Diskussionssendung die Elite des österreichischen Gesundheitssystems eingeladen. „DAS GESPRÄCH“ drehte sich um die anstehende Gesundheitsreform, der sich derzeit alle intensiv widmen. Zentrale Zielsetzung ist ganz allgemein, dass sich die Versorgung der Patientinnen und Patienten signifikant verbessern muss. Dabei geht es den Expertinnen und Experten vornehmlich darum, dass die Wartezeiten auf Behandlungstermine reduziert werden. Schließlich hat man sich ja darauf geeinigt, „Jetzt das Richtige tun. Für Österreich“.
Für die zuständige Ministerin Schumann ist das angeblich auch das Grundproblem, dessen Lösung sich die Menschen von der Regierung erwartet. Daraus schließt die Gesundheitsministerin, dass die Zielsetzung für sie „die beste Versorgung und weniger Wartezeiten“ sein muss. Doch das ist eine extreme Verkürzung der Wahrnehmung einer Verpflichtung und deshalb ging die Diskussion am Hauptproblem vorbei. Was die Menschen nämlich an oberster Stelle wollen ist, möglichst nicht krank zu werden. „G’sundheit!“ ist deshalb auch der am häufigsten verwendeter Wunsch in der zwischenmenschlichen Kommunikation und fixer Bestandteil der Konversation. Das sollte auch die Hauptaufgabe eines Gesundheitssystems sein, sonst müsste man es nämlich „Krankheitssystem“ nennen. Doch das kann die Politik nicht leisten, weil ihr das Verständnis für „One Health“ fehlt.

Die Erkenntnis, dass die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt untrennbar miteinander verbunden sind und als Gesamtheit betrachtet werden muss, ist nicht Bestandteil der österreichischen Gesundheitspolitik, sondern akzeptiertes Risiko. Aus dem Ruder gelaufen ist die Diskussion in meiner Wahrnehmung, als von der Moderatorin Schnabl die Frage aufgeworfen wurde, ob man die Menschen mehr „in die Pflicht nehmen soll“. Womit den Menschen unterschwellig vorgeworfen wird, dass sie zu blöd dafür sind, im Krankheitsfall die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Gerne wird in diesem Zusammenhang von „Gesundheitskompetenz“ gesprochen, die man den Menschen erst beibringen muss (um das System finanzierbar zu erhalten). Doch die Gesundheitskompetenz fehlt auch jenen Experten, die sich im „Gesundheitsdschungel“ (O-Ton Schnabl) nur mit dem Krankheitssystem beschäftigen. Und die Gesundheitskompetenz ist jenen Menschen total fremd, die die Voraussetzungen für Erkrankungen im großen Stil schaffen. Im österreichischen Gesundheitssystem geht es daher nicht um „G’sundheit“, auch wenn sich das alle sehnlichst wünschen. Vielmehr geht es darum, wie man ein System finanziert, dass die Menschen krank macht. In dieser Diskussion bleiben aber die Umweltkosten mit ihren schwerwiegenden Auswirkungen auf die Gesundheitskosten unberücksichtigt und werden nicht richtig zugeordnet. Demnach sind die ökonomischen Berechnungen des Gesundheitssystems wertlos.
In der Schweiz hat man beispielsweise berechnet, dass allein die Zementindustrie jedes Jahr fast eine halbe Milliarde Franken an volkswirtschaftlichen Kosten verursacht, die durch frühzeitige Todesfälle, Belastungen des Gesundheitssystems, Umweltverschmutzung und Klimaschäden entstehen. Public Health-Professor Nino Künzli bestätigt, dass die Beton- und Zementindustrie die wichtigste Schadstoffquelle in der Schweiz ist und 2.000 frühzeitige Todesfälle pro Jahr der Luftverschmutzung zugerechnet werden können (Dezember 2023). „Du und ich und jeder weiß, das Gesundheitssystem gibt es nicht zum HOFER-Preis“.








