„Grüner Zement?“

Text: Peter Baumgartner

„Starker Anstieg an Müll“, schreiben die Medien auf die jüngste ASFINAG Meldung, wonach Littering, also das achtlose Entsorgen von Müll in der Natur, ein weit verbreitetes Problem in Österreich ist. 1103 Tonnen hat der Autobahnbetreiber 2023 allein entlang der Straßen in Kärnten eingesammelt. Damit liegt Kärnten österreichweit im Spitzenfeld. Was die Steigerung betrifft, sind wir mit 32 Prozent und großem Vorsprung sogar absoluter Spitzenreiter in Österreich.

Wird Zement, der meist verwendete Baustoff weltweit, grün? Die Industrie sagt ja. Doch „Grün“ ist nur eine Farbe. Gemessen an seiner Klima- und Umweltbilanz, klingt Zement wie eine Kriegserklärung an die Idee einer gerechten und lebenswerten Gesellschaftsordnung, sagt die Wissenschaftsjournalistin Monika Halkort. Bild: Peter Baumgartner

„It’s my life!“, sagen offensichtlich Einheimische und Gäste in Kärnten. Dazu passt, „In Kärnten darf man sich treiben lassen und später erwachsen werden“, sagen die Touristiker. „Mach, was du liebst“, lautet die freundliche Einladung. Und die Leute verstehen das offensichtlich falsch. Vielleicht liegt aber die „unbeschwerte“ Lebensweise an der Vorbildwirkung des offiziellen Kärntens. Die „Lebensader“ von Kärnten, weiß man aus offiziellen Quellen, sind Motorboote, nicht das Wasser des Wörthersees. Schadstoffe die nicht da sein sollen, werden einfach nicht gemessen. Eine großflächige Plastik-Vermüllung des Wasserschongebietes wird amtlich zu unvermeidbarem „Bioabfall“. Man sieht es an jeder Ecke, in Kärnten geht man an das Thema Umwelt pragmatisch und situationselastisch heran. Und irgendwo muss der Dreck ja auch hin – wenn man ihn nicht zu Hause ins Regal stellen will.

Was genau ist da drinnen im „Zement von tomorrow? Wir dürfen es nicht erfahren. Im Sinne des Chemikaliengesetzes ist Zement nicht giftig, wird vermerkt – wenn man sich an die Schutzbestimmungen hält. Bild: Peter Baumgartner

Neuerdings lässt der Landeshauptmann den Müll sogar ganz offiziell in den Zement beimischen. Genauer gesagt, „Ersatzrohstoffe“ – ohne gefährliche Abfälle. Was genau, darf man jedoch nicht wissen. Das unterliegt dem Geschäftsgeheimnis. Ist das vielleicht die Kärntner Strategie, um künftig den Müllberg oder gefährlichen Deponien schneller abzubauen? Reicht verbrennen nicht mehr aus, weil es die CO2-Bilanz schwächt? Vieles deutet darauf hin, dass die Kärntner Industrie im Verbund mit der Politik in Sachen Kreislaufwirtschaft „innovativer“ ist, als der Rest von Europa. So kommt der Dreck zwar doch wieder zurück, aber hinter der bunten Tapete im Kinderzimmer schaut er nicht mehr so schiach aus. Und was im Tunnelbau einbetoniert wird, braucht uns auch nicht zu kümmern, die Amtssachverständigen nehmen uns diese Sorgen ab.

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