Eine „kritische“ Würdigung

Antonia Gössinger, die ehemalige Chefredakteurin des Kärntner Leitplattes, hat in der Zeitung DIE ZEIT einen „Nachruf“, für den vorzeitig aus dem Amt geflüchteten Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser, verfasst.

Aktuell ist Gössinger Ombudsfrau in der „Selbstverwaltung“ des Österreichischen Presserates, eines Trägervereins der alpenländischen Medienlandschaft, die von der Grande Dame des Journalismus Anneliese Rohrer pauschal als „Copy & Paste-Journalismus abqualifiziert wurde und der, wie sie sagt, unter einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) leidet. Nun fühlte sich Gössinger als Journalistin verpflichtet, ausgerechnet jenem Politiker, der ihr 2021 das „Große Ehrenzeichen“ des Landes Kärnten verliehen hat zu bestätigen, dass er das südlichste Bundesland in Österreich „auf Vordermann“ gebracht hat. Peter Kaiser gilt dank wohlwollender Medienberichte tatsächlich als Politiker, der seinem anvertrauten Bundesland nach Jörg Haider wieder öffentliches Ansehen verschafft hat. Das stimmt. Geschuldet ist diese mediale Wahrnehmung aber der „Kreidestimme“ an der Spitze der Landesregierung, die sich nicht nur, aber auch bei den Medien, mit einer amikalen Art keine Feinde gemacht hat. Eine durchaus erfolgversprechende Strategie in einem Land, in dem der „gute Ton“ und „Gehorsamkeit“ mehr Bedeutung hat, als Inhalte und Lösungskompetenz.

Die zukünftige Generation in Kärnten hat es nicht leicht. Die „Generalüberholung“ der Regierungsarbeit lässt auf sich warten.

Tatsächlich hat Landeshauptmann Kaiser einen „medialen Friedhof“ geschaffen, in dem zwar alles gesagt werden durfte – aber leise und hinter vorgehaltener Hand. Historisch bleibt vom „freundlichen“ Landeshauptmann in Erinnerung, dass er und seine Partei beim oft kritisierten Haider-Scherbenhaufen mitgestimmt haben. Was als „Regierungserfolg“ bleibt, ist ein Schuldenberg, der nach 13 Regierungsjahren nicht kleiner, aber dafür nachhaltiger geworden ist. Es stimmt, schuld daran ist nicht die bei Haider praktizierte, neofeudalistische Almosenverteilung, sondern eine neue Tittytainment-Politik, die schon fast alle Menschen im Land – einschließlich Volksgruppe, zu Dank gegenüber der Regierung verpflichtet.

Aufgearbeitet ist nach 13 Kaiser-Jahren keine einzige Baustelle. Weder in der Minderheitenpolitik, noch in der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik. Nicht in der Tourismuspolitik, in der Gesundheitspolitik und auch nicht in der Umweltpolitik. Dafür sind die Notschlafstellen dauerhaft belegt und zu Ostern bat der Verein Sozialmarkt um Spenden, weil sich immer mehr Menschen in Kärnten die traditionelle Osterjause nicht leisten können. Kaisers Stellvertreterin und Parteifreundin zeichnet indes im Landtag freimütig ein Bild an die Wand, wonach auf jedem Kilometer zwischen Kärnten und Wien 1.100 armutsgefährdete Kinder stehen. An den beiden Eckpunkten regieren aber jeweils Sozialdemokraten und allein in Kärnten sind 17.000 Kinder von Armut betroffen – nach einer SPÖ-Regierung wohlgemerkt. Aber ja, Landeshauptmann Kaiser hat ein Sozialsystem etabliert – Stichwort Tittytainment, das die manifestierte Armut gut verwaltet, aber nicht bekämpft. Niemand würde also ernsthaft auf die Idee kommen, Kaiser selbst besondere Qualifikationen in der Bekämpfung der Kinderarmut zuzutrauen – außer die EU. Dort hat man im Ausschuss der Regionen zielsicher mit Kaiser den Bock zum Gärtner gemacht. Zurückhaltend, aber doch, hat Antonia Gössinger auch leise Kritik in ihrer Kaiser-Laudatio geübt. So bleibt zumindest aus langjähriger Beobachtung aktenkundig, dass die Landesverwaltung mit den Spitzenbeamten unter Landeshauptmann Kaiser, bei wichtigen Entscheidungen die Führung in Kärnten übernommen haben.

Ähnliche Beiträge

  • Klimaneutral.abnormal.egal.

    Text & Bilder: Peter Baumgartner Der Versuch einer Komparation zum Begriff Klimaneutralität zeigt, man kann die Steigerungsform nach Belieben anwenden, weil noch niemand den Beweis antreten musste, tatsächlich klimaneutral zu sein. Das haben wir schon als Schulkinder gehört: „Mein Papa ist viel stärker als deiner“. Sind jemals zwei Väter in den Ring gestiegen, um den…

  • Aus Erfahrung nichts gelernt

    Text: Peter Baumgartner Sechzig Jahre und kein bisschen weise,Aus gehabtem Schaden nichts gelernt.Sechzig Jahre auf dem Weg zum GreiseUnd doch sechzig Jahr‘ davon entfernt.  (Curd Jürgens) Als in den 1990er Jahren die 1829 gegründete Erste Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft (DDSG) am Altar der aufsteigenden Marktwirtschaft geopfert wurde, war es die vormals Sozialistische Partei Österreichs (SPÖ), die ihre wirtschaftliche…

  • GRATIS – ist nicht umsonst

    Text: Peter Baumgartner Dramatische Einsparungen nötig, Landesregierung muss Sparziele vorlegen, Schulden explodieren, Finanzlage angespannt, so viel sollen Politiker sparen, Schuldenberg wächst, Rekordverschuldung, Schuldenentwicklung dramatisch. Die Medien überschlagen sich förmlich mit solchen Schlagzeilen. Zu spät! Zu lange haben sie zugeschaut und das böse Treiben wohlwollend ignoriert. Die „Nachhaltigkeits-Koalition“ in Kärnten, die vor einem Jahr mit dem…

  • Kinder an die Macht!

    Text: Peter Baumgartner „Gebt den Kindern das Kommando“, hat Herbert Grönemeyer schon 1986 getextet. Doch der Musiker wollte das Lied als Hymne an die Unvoreingenommenheit von Kindern verstanden wissen. Nicht als Aufforderung für Ignoranz, Gleichgültigkeit, Pflichtvergessenheit, Nachlässigkeit und Tagträumerei. Man kann die Arbeitsbedingungen für unsere Volksvertreterinnen im Parlament durchaus als luxuriös bezeichnen. Insbesondere seit dem…

  • Bürokratieabbau – Cui bono?

    Die Aktuelle Stunde zum Thema „Auswirkungen der Kärntner Politik auf Arbeit und Wirtschaft“ im Kärntner Landtag, war zuletzt geprägt von der Forderung der Wirtschaft nach „Bürokratieabbau“. Die Parteien lieferten sich quasi ein Wettrennen, wer das Wording der Wirtschaft wohl besser in der Öffentlichkeit vertritt und jede Partei beschuldigt die jeweils andere Fraktion, das Leben der…

  • Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar

    Aufgefasst aus der Wandzeitung, ein Zitat von Ingeborg Bachmann Text: Peter A. Werner/Krems an der Donau Ein Bericht aus der WANDZEITUNG über den Journalist Franz Miklautz, sollte den österreichischen Bürger eigentlich aufrütteln und aus seiner Ja–Sager und mankann-ja-eh-nix machen Agonie holen. Das Traurige an dem Bericht des Herausgebers ist der Umstand, dass objektiver Journalismus in…