Der Kärntner Tourismus „hängt ab von“…

Am Ostermontag herrscht in Klagenfurt bereits wieder Trauerstimmung. „Schade, dass schon alles zugesperrt ist, wo doch viele Gäste in der Stadt sind“. O-Ton einer deutschen Urlauberin, die frustriert über den Platz geht. Sie weiß nicht, dass die Stadt wegen „Reichtum“ geschlossen ist.

Um zu erklären, warum der Tourismus in Kärnten schwächelt, sind die Verantwortlichen um keine Ausrede verlegen. Es fehlt aber auch nicht an „Ideen“.

Erfolgreicher Tourismus hängt angeblich maßgeblich von der Wetterlage ab. Zu heiß, zu kalt, regnerisch oder Schneefall – schon sinken die Buchungszahlen. Von der Ferienordnung in Deutschland und von den Feiertagen in Italien hängt auch viel ab. Natürlich haben Kriege im Nahen Osten einen wichtigen Einfluss, weil Urlauber mit der Südbahn nicht über Beirut anreisen können. Terror ist sowieso schlecht fürs Geschäft. Streiks in Italien oder Griechenland sind sogar so hinderlich, dass Urlauber mit PKW-Anreise ausbleiben. Sogar einzelne Ungustl, wie zum Beispiel Trump oder Putin, können unsere Tourismuserwartungen negativ beeinflussen. Und sollten ausnahmsweise mal alle Ampeln auf Grün stehen, dann haben die potentiellen Feriengäste kein Geld mehr, um nach Kärnten zu verreisen. Man sieht schon, Kärntner Touristiker – übrigens gilt Ähnliches auch für die Wirtschaft generell, haben es nicht leicht. Praktisch ein Dauerproblem für den Tourismus (und die Wirtschaft) ist die Situation, wenn alle Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Erfolg passen und die Menschen sogar noch etwas Geld in der Tasche haben – aber die öffentliche Hand mit den Hilfszahlungen, Förderungen und Subventionen zögert. Das ist dann praktisch die Absolution, die jeder Touristiker und Wirtschaftstreibender immer für sich in Anspruch nehmen kann.

In St. Veit/Glan sind bereits am Ostersonntag alle österlichen „Spuren“ restlos beseitigt und die Innenstadt klinisch rein. Bild: Peter Baumgartner

Man sieht also, Touristiker und Wirtschaftstreibende sind nie selber schuld an ihrem Misserfolg. Sie können auch nichts falsch machen, weil sowieso immer andere auf der Erfolgsspur herumlungern. Stimmt das so? Nein, natürlich nicht. Tourismus und Wirtschaft haben sich längst einen Sport daraus gemacht, von den eigenen Fehlern abzulenken und „äußere Umstände“ für das eigene Versagen verantwortlich zu machen. Es sind aber nicht immer einzelne Touristiker oder Wirtschaftsbosse, die sich öffentlich verteidigen. Nein, es sind die „Funktionäre“ und „Fachpolitiker“, die ausschwärmen um zu erklären, warum es richtig ist, dass die Steuerzahler für „Ideen“ zahlen müssen, die sowieso nicht funktionieren. Wir brauchen noch mehr Projekte, Aktionspläne, noch mehr Geld, bessere Gesetze, neue Reformen und die x-te Kampagne, richten sich Funktionäre und Politiker gegenseitig aus und warten darauf, wer sich zuerst bewegt – um dann selbstverständlich zu erklären, die „Umstände“ waren schuld, dass es nicht geklappt hat. Ganz wichtig ist auch, der potentielle Gast will mit einem guten „Slogan“ umschmeichelt werden. Da kommen oft erstaunliche Wortschöpfungen zustande, wo man sich fragt, welche Drogen hat deren Erfinder eingeworfen. Aktuell wollen die Mittelkärntner „Leuchttürme“ aufstellen, damit sich der Tourismus positiv entwickelt. „Die See“ vor Ort ist zwar nur einen Kilometer lang und könnte auch mit einer Taschenlampe ausgeleuchtet werden, aber immerhin, irgendwer hatte wieder eine „Idee“ und es waren viele Kümmerer auf Kosten der Steuerzahler beschäftigt.

Außerhalb der „Innenstadt“ und außerhalb des Einflussbereiches von Tourismusexperten, kümmern sich ganz einfache Bürger selber und unentgeltlich auch am Ostermontag noch um ein österliches Erscheinungsbild der Stadt. Touristen kommen da allerdings nicht hin, weil man ihnen davon nichts erzählt. Bild: Peter Baumgartner

Auffällig ist, dass Kärnten zwar immer als schön und lebenswert beschrieben wird, der Zusammenhang mit der Umwelt aber touristisch keine Rolle spielt. Das hängt wohl damit zusammen, dass es die erstrebenswerte Umwelt trotz Schönheit in Kärnten eben gar nicht gibt. Saubere Luft, klares Wasser, unverbaute Landschaft, intakte Natur, ein gesunder Boden und giftfreie Nahrungsmittel, sind heute mehr denn je Erfolgsfaktoren für einen wertvollen Tourismus. Klar, damit kann man aber nur hausieren gehen, wenn man es hat. Aber Kärnten will wie ein trotziges Kind alles haben. Qualitätstourismus und Industrie. Betonieren und Biolandwirte. Rauchende Kamine und Alpenduft. Bekanntlich bekommt das „Gfrast“ am Ende gar nichts. Was übrig bleibt sind Fische, die man zwar fangen, aber nicht essen darf. „Gute“ Luft, die rein ist, weil sie nicht gemessen wird. Flächendeckend verseuchte Böden sind unseriöse Behauptungen und Naturbäche als Vorfluter für chemische Cocktails, sind nur Momentaufnahmen. Wenn ständig irgendwo ein Tierleid aufpoppt, kann man trotzdem auf #heimkaufen-Werbung vertrauen. PFAS und Mikroplastik im Trinkwasser passen da gut in das Gesamtbild, zumal sogar das wertvollste touristische Atout in Kärnten, der Wörthersee, ein „ökologisches Problem“ hat. Aber da bleibt dem Kärntner Tourismus noch immer die Möglichkeit „Dark Tourism“ oder „Lost Place“ – Wandertage anzubieten. Garantiert ein Erfolg würde eine „Ugly Tour“ durch Kärntens Städte werden. Die Busreise „Alles bröckelt“ zu den Kärntner Schulen, könnte sogar für die beste Tourismusidee nominiert werden. Zunächst muss man jedoch wie ehemals bei den Basler Nachrichten, die Medien zu neuen Inseraten „inspirieren“. Bestimmt wird es dann wieder einen Karl Kraus geben, der sich wortgewaltig über das „innovative“ Tourismuskonzept aufregt, aber Kritiker gibt es ja immer und überall.

Karl Kraus hat 1921 den Schweizer „Valutenbrei“ wegen seiner pietätlosen Geschäftemacherei angeklagt. Dabei wollte dieser nur innovativ sein und anbieten, was man halt so anzubieten hat. (Gemeinfrei)

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