Den Garten Eden gibt es nicht mehr

Glaubt man der biblischen Erzählung, haben wir das Paradies auf Erden schon lange und sogar ohne industrieller Hilfe und Pflanzenschutz für immer verloren. Was wir jetzt als schön, erhaltens- und förderwürdig erachten, ist die Natur aus zweiter Hand.

Die Frage ist, wählen und fördern wir einen Prozessschutz als Naturschutzstrategie, oder unterstützen wir den Erhalt und die Weiterwicklung einer Kultur-Landschaft, die sich an die individuellen Bedürfnisse anpasst. Beides ist nicht gratis zu bekommen, daher geht es wie immer um Geld und die Entscheidung, wer zahlt, wer kassiert. Um es gleich grundsätzlich festzuhalten, die Landwirtschaft – und insbesondere die Bergbauern, verdienen jeden Respekt, Anerkennung und Unterstützung. Ihre Arbeit ist oft schwer und wegen der sinnbefreiten Agrarpolitik nicht ausreichend honoriert. Bei der Agrarindustrie ist es schon etwas anders. Da muss man allenfalls andere Maßstäbe ansetzen.

Wer jemals eine private Blumenwiese angelegt hat weiß, welche Arbeit dahintersteht und welcher finanzielle Einsatz ohne Förderung dafür notwendig ist.
Bild: Peter Baumgartner

Die Agrarpolitik kennt keine Grenzen zwischen kleinstrukturierter Landwirtschaft und industrieller Massenproduktion von Fleisch und Korn. Wenn Bauernvertreter fordern, dass die Landschaftspflege und Almwirtschaft in alpinen Regionen besser abgegolten werden soll, so ist das nachvollziehbar. Wird jedoch die Landschaft als solches durch die Bewirtschaftung als Gewinn für die Tourismuswirtschaft und daher abgeltungspflichtig betrachtet, dann werden Grundsätze verwässert. Mit der Sendung „Land und Leute“, verfolgt der ORF seinen Bildungsauftrag und hat zum Beispiel die Meinung des Vereins „Land schafft Leben“ verbreitet, wonach es ohne Bäuerinnen und Bauern den österreichischen Tourismus gar nicht geben würde. Man unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen Kultur-Landschaft und Natur-Landschaft. Damit möchte man ausdrücken, dass es die Natur-Landschaft gar nicht mehr gibt, weil der natürliche Ur-Zustand von Menschen völlig verändert wurde. Was wir also jetzt sehen und was alle so schätzen, ist nicht der Garten Eden, sondern eine Kultur-Landschaft. Auch die Almen sind nicht Natur, sondern Kultur. Es ist insgesamt eine von Menschen, auch von Bauern veränderte und geprägte Landschaft, die gar nicht daran denken, einem Prozessschutz zu folgen. Die selber gestaltete Landschaft gilt jetzt als „schön“ und erhaltenswert, sagt auch die Wissenschaft. Das hindert die „Stakeholder“ aber nicht daran, diese schöne, selbst gebastelte Landschaft mit dem Begriff „Natur“ zu bewerben und zu verkaufen. Die „unberührte Natur“, die „natürliche Idylle“ und das „Naturparadies“, wird zwar von allen Seiten kontaminiert, aber es ist halt unsere schöne Konserven-Landschaft. Wenn die Landwirtschaftsvertreter also den Erhalt dieser „Natur“ gefördert haben möchte, so ist das zunächst eine Rosstäuscherei.

„Nicht betreten“ ist symptomatisch für die „Natur“ aus zweiter Hand. Ansehen muss reichen.
Bild: Peter Baumgartner

Eine veritable Krise ist es jedenfalls, dass wir in der Europäischen Gemeinschaft in einem Wertesystem leben, wo nahezu alles, jede Produktion und jede Arbeitsleistung, von einer Förderung abhängig ist. Unter diesem Dach ist eine eigene, länderübergreifende Berufsgruppe entstanden, die Förderberater. Für sich betrachtet, ist das Fördersystem vermutlich der Wirtschaftsbereich in Europa, wo das meiste Geld fließt. Begriffe wie „Eigentum verpflichtet“, scheinen außer Kraft gesetzt zu sein. Dabei muss der in einem Produkt begründete Nützen gar nicht vorhanden, oder wenigsten nicht zwingend gegeben sein, weil der Gewinn nicht durch den Handel, sondern durch Förderung entsteht.

Die kommunale Landschaftspflege ist Teil der Daseinsvorsorge und ein unverzichtbarer Beitrag zur Gemeinschaft. Eine schwere und oft nicht bedankte Arbeit.
Bild: Peter Baumgartner

Um beim Beispiel Förderung der bäuerlichen Landschaftspflege zu bleiben, stellt sich die Frage, warum die gleiche finanzielle Aufmerksamkeit nicht auch privaten und kommunalen Landschaftspflegern zugestanden wird. Abgesehen davon, dass von der privaten Landschaftspflege eine ganze Gartenindustrie hervorragend profitiert, Gartenbaumessen veranstaltet werden, Landschaftsplaner- und Architekten, Gärtnereien und Baumschulen beschäftigt werden, ist der finanzielle Aufwand zumindest ebenso förderwürdig, wie die bäuerliche Landschaftspflege. Wer jemals eine nennenswerte Blumenwiese angelegt hat und einen Garten „schön“ gestaltet hat weiß, wie viel Arbeit und Geld dahintersteckt. Man kann hier getrost die kommunale und private Landschaftspflege in einen Topf werfen, denn es ist unter dem Strich jeder einzelne Bürger/Bürgerin, die den finanziellen Aufwand zu tragen hat. Das ist aber erstaunlicherweise kein Förderthema. Man hat aber sehr wohl erkannt, dass auch der private/kommunale „Verschönerungsbeitrag“ zur Kultur-Landschaft wertvoll ist. Deshalb gibt es verschieden Veranstaltungen, wie die Blumenolympiade, Dorferneuerungspreis etc. Dort wird dann privates Engagement für die Allgemeinheit vor den Vorhang gebracht – und mit einer Urkunde honoriert. Allfällig „erbeutete“ Gutscheine müssen bei bestimmten Partnerbetrieben eingelöst werden. Niemand von diesen privaten Leistungsträgern ist auf den Gedanken gekommen, für seinen Gesellschaftsbeitrag eine „Schaugebühr“ oder einen „Duftbeitrag“ zu verlangen. Immerhin gibt es für einige öffentliche Parkanlagen eine Eintrittsgebühr. Aber wenn ein Bürger von seiner Betonwüste aus, den ganzen Tag genussvoll auf die Kultur-Landschaft seines Nachbarn blickt, ist das Konsum ohne Gegenleistung. Oder, wenn ein Passant mit offenem Mund vor einem „schönen“ Garten innehält, ist das ein kostenloser Beitrag zur seelischen Gesundheit.

Bereits in der 29. Kärntner Blumenolympiade wurde 2026 das kostenlose Engagement der Hobbygärtnerinnen und -gärtner sichtbar gemacht. Sie alle dürfen sich Sieger nennen. Förderung gibt es keine.
Bild: Kärntner Gärtner/EVMEDIA PHOTOGRAPHY

Landwirtschaftskammer-Präsident Siegfried Huber, einer der vehementen Forderer nach bäuerlicher Förderung, freut sich bei der Kärntner Blumenolympiade über tausende Hobbygärtner, die kostenlos mit viel Liebe, Kreativität und Engagement, Kärnten zum Aufblühen bringen. Fördergeld gibt es trotzdem nicht. Die präsidiale Anwesenheit des Kammerfunktionärs muss für die fleißigen Hände Anerkennung genug sein. Die Kärntner Umweltlandesrätin Lagger-Pöllinger ist ebenso entzückt, wie private Landschaftspfleger Kärnten schöner machen. Auch sie findet dafür keinen Euro im Budget. Dabei müsste insbesondere ihr klar sein, welche Bedeutung die weiche Infrastruktur für unsere Kommunen hat. Die Stadtgärtnereien, die diese Infrastruktur mit Steuergeld verwalten, leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger, aber auch für das touristische Bild einer Stadt. Gerade aktuell, bei zunehmenden Temperaturen gewinnt diese Arbeit nochmals an Bedeutung. Zumindest hier wird zwar nicht gefördert, aber Steuergeld richtig eingesetzt.

Bilderrätsel: Wer soll hier wohl besonders hervorgehoben werden? Wer soll für seine Arbeit belohnt werden? Sind es die Veranstalter, oder ist es die private Förderung der Gartenindustrie, die nebenbei noch einen Beitrag für das Gemeinwohl leistet? Bild: Kärntner Gärtner/EVMEDIA PHOTOGRAPHY

Dabei ist allen klar – und die Forschung erzählt es uns auch jeden Tag, die Natur, die uns umgibt ist kein Luxus, keine Liebhaberei, sondern unsere Lebensgrundlage. Sie zu pflegen und zu schützen, ist also keine freiwillige „Leistung“ die abzugelten ist, sondern Verpflichtung für alle, die Verantwortung übernommen haben. Das gilt für den Balkon-Gärtner genauso, wie für den Agrarindustriellen oder Aktionär bei der Chemie-Industrie. Warum also gesellschaftsrelevante „Arbeit“ auf der einen Seite finanziell gefördert und auf der anderen Seite mit Schulterklopfen belohnt wird, erschließt sich ganz und gar nicht. Falls ein Kuchen da ist, was meistens eh nicht der Fall ist, dann sollten die Stücke gleichmäßig verteilt werden. Andernfalls müsste man über die Umweltkosten einer Tätigkeit reden, die beispielsweise von Verhaltens- oder Zustandsstörern verursacht, aber von der Gemeinschaft getragen werden müssen.

Ähnliche Beiträge

  • Über den Zustand der Kirche

    Die historische Nepomuk-Statue am Schillerplatz in St. Veit, ist ein reales Abbild vom Zustand der Kirche in Österreich. Erst vor zwei Jahren vom Verschönerungsverein und Restaurator Campidell liebevoll restauriert, gibt sie ein erbärmliches Bild ab und zeugt von offenem Vandalismus – was aber niemand zu stören scheint. „Die Kirche unserer Kindheit ist vorbei“, diagnostiziert Pater…

  • #KINDERstören

    Über die Krimi-Serie Tatort muss man nicht viel sagen. Jeder kennt sie, fast jeder hat einen Lieblingskommissar und für ganz viele Menschen ist der Sonnabend fix verplant – weil im Fernsehen Tatort läuft. 1970 hat der Fernsehmacher Gunther Witte die Serie erfunden. Sie ist somit die älteste Krimiserie. Wenn am Beginn der Sendung das Auge…

  • Koschplkibl

    Bild & Text: Peter Baumgartner Der älteren Landbevölkerung wird der Begriff „Koschplkibl“ bestimmt noch bekannt sein. Küchenabfälle sammelte man früher zu Hause, am Hof, aber auch in Gasthäusern in einem mehr oder weniger großen „Kibl“ (Kübel). Die „Koschpl“ bekamen dann die Schweine als Leckerbissen serviert. Egal ob Gramandsa, Küchenmagd oder Sauhirte, alle wussten ganz genau,…

  • Lust auf Vorstadt

    Unser Herz schlägt für die Innenstadt. Es lebe die Peripherie! So lautet die Zusammenfassung der wirtschaftspolitischen Zukunft der Herzogstadt St. Veit an der Glan. Es heißt, wir müssen unbedingt den „Krapfen-Effekt“ schaffen, der die Innenstadt wieder versüßt und den „Donut-Effekt“, der die Innenstadt aushöhlt, den müssen wir mit vollem (finanziellen) Einsatz beseitigen. Doch längst herrscht…

  • Plastikrepublik Deutschland

    „Besser Plastik im Hoden, als im Hirn“. Das war die medizinische Diagnose von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (ZDF-Heute Show Spezial/14.8.2026). Die Äußerung würde sich wohl besser als Ärzte-Witz eignen. Die „Heute SHOW SPEZIAL“, mit ihrem Ensemble Lutz van der Horst und Fabian Köster, firmiert im ZDF unter Satire und lustig. Man könnte es aber auch schwarzen…

  • Zum neuen Jahr

    Einem uralten Brauch folgend, schneidet man am 4. Dezember, zum Namenstag der Heiligen Barbara, ein paar Zweige vom Kirschbaum und steckt sie in eine Vase. Im warmen Zimmer sollen die kahlen Zweige am Christtag zu blühen beginnen. Symbolisch steht die winterliche Blütenpracht dann für das Weihnachtswunder und wer nicht daran glaubt, kann sich noch immer…