Altes Wissen

Mit dem alten Wissen ist es wie mit dem alten Handwerk. Vieles wird einfach vergessen oder durch neue Techniken und Informationen ersetzt.

Justus von Liebig – „Gesetz vom Minimum“ dargestellt im Auer von Welsbach – Museum/Althofen.
Bild: Peter Baumgartner

Nicht immer wird dabei ein Fortschritt oder eine Verbesserung generiert. Oft lohnt es sich darüber nachzudenken, ob man sich nicht einfach die Erfahrung älterer Generationen zunutze machen soll, um darauf aufzubauen. Denn das verlorene Wissen, ist oft der Schlüssel zur Lösung von Problemen unserer Zeit.

Ein typisches Beispiel dafür ist der sogenannte „Minimumfaktor“, der in der frühen Landwirtschaftsforschung die Erkenntnis gebracht hat, dass ein Pflanzennährstoff, der in der geringsten Menge zur Verfügung steht, über den Ertrag entscheidet. Dieser „Mangelfaktor“ kann durch nichts ersetzt oder ausgeglichen werden. Sinnbildlich steht dafür die „Minimum-Tonne“. Bei unterschiedlich langen Dauben, egal wie groß das Fass ist, entscheidet die kürzeste Daube über den maximal möglichen Füllstand.

Vielleicht sollte man sie „One Health – Tonne“ nennen…

Dieses alte Agrar-Wissen, kann auch als Grundlage einer zeitgemäßen Gesundheitspolitik gesehen werden, denn die Widerstandsfähigkeit des Menschen hängt wie das Pflanzenwachstum, vom Vorhandensein bestimmter Faktoren im ausreichenden Maße ab, um richtig funktionieren zu können. Eine verantwortungsvolle Gesundheitspolitik muss die limitierenden Faktoren kennen, die ein Gesundheitswesen in Gefahr bringen und dafür sorgen, dass das Fass nicht zum falschen Zeitpunkt überläuft.

„One Health“ anerkennt, dass die Gesundheit von Menschen, Tieren, Pflanzen, Umwelt und der Ökosysteme eng miteinander verbunden und voneinander abhängig sind. Um das gemeinsame Wohlergehen zu fördern und Bedrohungen der Gesundheit und der Ökosysteme zu bekämpfen, braucht es eine kollektive Verantwortung für sauberes Wasser, Luft, gesunde Lebensmittel, Maßnahmen gegen den Klimawandel usw. Alle Sektoren der Gemeinschaft tragen Verantwortung für das nachhaltige und lebensnotwendige Gleichgewicht.

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