Alle Sünden sind getan

Die bisher bekannt gewordenen „Informationen“ durch diverse Medien über die sogenannten „Epstein Files“, zeugen von einem weltweiten Netzwerk aus prominenten Persönlichkeiten, die anscheinend „viel Spaß“ gehabt haben (noch immer haben?).

Auch Jahre nach dem angeblichen Selbstmord des vorbildlichen „Vereinspräsidenten“, sind anscheinend noch lange nicht alle Fakten am Tisch, geschweige denn aufgeklärt. Potentielle Mittäter und Mitwisser scheinen von einer Art kollektiven Vergesslichkeit befallen zu sein, was wohl dem fordernden Vereinszweck geschuldet ist. Gesichert scheint zu sein, dass im Verein um den geselligen Selbstmörder, nur die wichtigsten Persönlichkeiten einen einzigen gemeinsamen Nenner gefunden haben. Österreicher oder Österreicherinnen sind bis dato noch nicht namentlich als Mitglieder im Netzwerk genannt. Das könnte zwei Gründe haben. Entweder wurden sie noch nicht gefunden, oder es gibt in Österreich niemand, der oder die wichtig genug für den Epstein-Verein wären. Ganz auszuschließen ist es jedoch nicht, dass man auch in der Alpenrepublik ein paar Wichtige findet. Immerhin war Epstein auch in einem global tätigen Verein aktiv und sogar selber österreichischer Staatsbürger. Seit 2019 ist nämlich bekannt, dass Epstein mit einem in Wien ausgestellten österreichischen Pass geschäftig unterwegs war. Seither sucht man nach der Quelle, die Epstein den Pass verschafft hat. Extra schwierig sollte das eigentlich nicht sein, den die Pass-Verleihung an wichtige Persönlichkeiten ist in Österreich Chefsache. Vielleicht bringt ja die aktuelle Parlamentarische Anfrage der Grünen nach den Hintergründen Aufklärung. Viel Hoffnung sollte man sich aber nicht machen. Wie schon gesagt – die Vergesslichkeit und das lückenhafte Erinnerungsvermögen, ist auch in Österreich besonders bei Führungspersönlichkeiten weit verbreitet und wird von den Ablenkungsmanövern nach Kräften unterstützt.

In der Kommentierung rund um die Epstein-Geschichte, sind die Medien sichtbar bemüht, Schaden von Österreich und von seiner Elite abzuwenden. Nur selten, wie zum Beispiel von der Tageszeitung Kurier, werden Versuche unternommen, einen Blick unter den heimischen Perserteppich zu werfen. Sonst wird überall mit der geballten Sprachkompetenz versucht, die geschehenen „Missbräuche“ abseits der Faktenlage zuzuordnen und streng zu personalisieren.

Unvorstellbar, moralisch verwerflich, ungewöhnlich, monströs, problematisch, rüpelhaft, skandalös, rufschädigend, sehr verstörend, usw. Während die Medienlandschaft also noch mit der moralischen Einordnung des globalen Pädophilie- und Missbrauchsnetzwerkes rund um (den Österreicher?) Jeffrey Epstein beschäftigt ist, spricht der ServusTV-Journalist Michael Fleischhacker ohne Beißangst gegenüber rechten und linken Weltverstehern Klartext. Er benennt die Causa Epstein als das, was sie tatsächlich repräsentiert: Dekadenz. Damit unterscheidet sich Fleischhacker wieder vom Durchschnittsjournalismus und nennt die Dinge beim Namen.

Die Feststellung ist aber gar keine Überraschung, denn mit Dekadenz und ihren Folgen haben wir durchaus historische Erfahrung und die Muster gleichen sich immer sehr stark. Fleischhacker meint, dass der moralische Totalschaden der globalen Elite auf „gewisse Weise fasziniert“ und „revolutionäres Potential“ hat. Auch das stimmt, wenn auch nur bis zu einem gewissen Grad. Bei Berlusconis „Bunga-Bunga“-Partys hat die Öffentlichkeit zum Beispiel noch gelacht und die Benennung der Prostitution mit Minderjährigen, sorgte sogar für eine Bereicherung der Populärkultur. Beim Epstein-Fall lacht kaum noch jemand, weil schon wenige Jahre nach Berlusconi, der systematischen Verfall der Gesellschaft und der unweigerliche Niedergang der Kultur offensichtlich ist. Alle Todsünden sind begangen. Schwachsinnige Werbesprüche wie „was denkbar ist, ist machbar“ und „geht nicht, gibt’s nicht“, wurden Realität. Die Frage ist nicht mehr, ob der Zerfall jetzt beginnt, sondern wann er endet. Vielleicht können wir uns noch kurz hinter der Begrifflichkeit „Degeneration“ verstecken und der nachfolgenden Generation ein Zeitfenster herausschinden. Aber dann – um es mit den Worten von Michael Fleischhacker zu beschreiben, sollten wir uns warm anziehen, „es könnte die Hölle werden“.

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