Hinrichtungen

Sie hat, wenn man den Vergleich mit der Abholzung des Regenwaldes heranziehen möchte, trotz ihrer Zierlichkeit schon eine mächtige Schneise der Verwüstung durch den Wald geschlagen. Die Rede ist von Claudia Bandion-Ortner. Von 2009 bis 2011 war sie Justizministerin für die ÖVP und danach stellvertretende Generalsekretärin für das – inzwischen „vertriebene“, saudische Dialogzentrum in Wien. Richterin war sie auch und ist es jetzt wieder – ausgerechnet in Klagenfurt. Obwohl sich die Kärntner Grande Dame der Medien, Anneliese Rohrer sicher war, dass es für Bandion-Ortner keinen Weg zurück in den Richterberuf gibt. Vielleicht ist die „Kärntner-Auferstehung“ nicht ganz zufällig, denn hier dürften noch ein paar wohl gesonnene Wegbegleiter, oder zu Dank verpflichtete „Kunden“ übriggeblieben sein. Alle „Fälle“ von Bandion-Ortner an dieser Stelle aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen, wird aber bestimmt irgendwann Gegenstand einer juristischen Biografie der jüngeren Justizgeschichte Österreichs werden. An dieser Stelle soll aus aktuellem Anlass nur daran erinnert werden, dass Bandion-Ortner 2014 unfreiwillig den „Unspruch des Jahres“ beigesteuert hat.

„Das ist nicht jeden Freitag“ lautete der und damit wollte sie als Mitarbeiterin des saudischen Königshauses erklären, dass es bei den Saudis nach dem Freitagsgebet zwar öffentliche Hinrichtungen gibt, aber eh nicht jeden Freitag. Blöd nur, PROFIL-Redakteurin Christa Zöchling hatte das Interview mitgeschnitten und so entwickelte sich eine mediale Lawine, die nicht zum Stillstand kommen will. PROFIL kritisierte 2014, dass „bereits 60 Menschen“ hingerichtet wurden. Aktuell berichten die Medien, dass 2025 in Saudi-Arabien bereits 356 Hinrichtungen zuverlässig dokumentiert sind. Bandion-Ortners Relativierung mit „nicht jeden Freitag“, dürfte heute also tatsächlich stimmen. Das geht sich schon rechnerisch schlecht aus…

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