„Catch & Release“

Nur kurz beschäftigte sich der Kärntner Landtag zum Jahresabschluss mit dem Jahresbericht-2024 des Landesfischereiinspektors, der es gerade noch fristgerecht in die parlamentarische Verhandlung 2025 geschafft hat und „selbstverständlich“ einstimmig angenommen wurde.

Die Kärntner Fischerei ist auf dem „richtigen Weg“. Die Selbstverwaltung hat volle politische Rückendeckung und zusammen haben sie das Ziel bald erreicht.
Bild: Peter Baumgartner

In weniger als zehn Minuten war ein Thema mit einer überlebenswichtigen Tragweite abgehakt. Außer den gefräßigen Viechern, die – ei potz, Fische auf ihre Speisekarte haben und den lästigen NGOs die ausgerechnet diese „Diebe“ schützen wollen, fand die Politelite des Landes am Bericht nichts Diskutables. Dabei erinnerte der Bericht kurz – aber doch, über die vergifteten Fische in der Gailitz, sowie über die Quecksilber/HCB-Fische in der Gurk. Dass man diese Fische (Stand 6-2025) seit mehr als zehn Jahren zwar fangen, aber wegen der amtlichen Verzehrwarnung nicht essen soll, berührte die Abgeordneten nicht. Jedenfalls fanden sie es „nicht der Rede wert“.

Was der Jahresbericht aber konsequent verschweigt ist der Umstand, dass es abseits der Verzehrwarnung und der Fressfeinde ein Problem gibt, dass indirekt über die Gewässer und Fische, unmittelbar auf unsere Gesundheit massiven Einfluss hat. Die Rede ist von den Chemikalien, die von Bayer selbst als „reproduktionstoxisch“ eingestuft werden. Einmal freigesetzt, gelangen diese Chemikalien laut Umweltmediziner Hans-Peter Hutter über die Gewässer bis ins Grundwasser, sind praktisch überall vorhanden und bereits in der Muttermilch nachweisbar.

Die orale Aufnahme über Trinkwasser, Fisch etc. ist dafür verantwortlich – so Hutter. In der Fachwelt scheint unbestritten zu sein, die gefährlichsten Chemikalien stellen die größte bekannte flächendeckende Wasserkontamination dar – und werden im Kärntner Fisch-Bericht mit keinem Wort erwähnt. Ebenso völlig ausgeblendet bleibt im Bericht der Einfluss des Klimawandels auf den Nährstoffhaushalt der Gewässer und damit auch auf den Fischbestand. Und natürlich bleibt auch für das Mikroplastikproblem in den Gewässern und Fischen keine Zeile bei der Pflichtübung übrig. Immerhin ist die Kärntner Fischerei angeblich ein wichtiger Wirtschaftsfaktor (LAbg. Smrtnik/TKK) und „Störungen“ werden in der Selbstverwaltung nicht geduldet.

Doch abseits des Kärntner Landtages läuft das Human-Biomonitoring europaweit auf Hochtouren und selbst unsere Bundesregierung hat schon einen (gut abgelegenen) PFAS-Aktionsplan der zum Ziel hat, irgendwann bestehende Kontaminationen zu entfernen und weitere Chemikalien-Verunreinigungen zu verhindern. Bis dahin folgen wir im Einklang mit unseren verantwortungsvollen Landesbehörden der Empfehlung: „Catch & Release“.

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