Geheimtipp Flughafen Klagenfurt

Der Flughafen Klagenfurt soll angeblich ein Geheimtipp sein. Leider ist er so geheim, dass er als touristische Infrastruktur kaum eine Rolle spielt. Die Überlebensfrage wurde in den vergangenen Jahren schon mehrfach gestellt – auch aktuell wird wieder kontrovers in der Öffentlichkeit diskutiert. Im Moment ist keineswegs klar, wer was in Fragen Flughafen zu sagen hat und wer letztlich überhaupt als Eigentümer gilt.

Für die Profis von Aircraft Owners and Pilots Association (AOPA), eine weltweit tätige Organisation für Piloten und private Flugzeugeigner mit 500.000 Mitgliedern steht jedoch außer Zweifel: Die Kombination aus einem attraktiven Flughafen, atemberaubende Natur, kulturelle und kulinarische Highlights, machen Kärnten zu einem echten Geheimtipp für Flieger. Spricht sich das unter allen Mitgliedern herum, muss man sich über den Flughafen Klagenfurt auch ohne Charter- und Linienflug keine Sorgen machen. Die privaten Flugbewegung in Österreich und auch in Klagenfurt, sind tatsächlich erheblich – zum Leidwesen der Grünen. Das hat auch etwas mit dem Registrierungssystem in Österreich zu tun (Luftfahrtexperte Kurt Hofmann). Nahezu jeder Promi oder wer glaubt einer zu sein, hat einen Privatjet. Einige dieser Luxus-Vögel sind sogar in Klagenfurt stationiert. Immerhin ist die Promidichte rund um den Wörthersee besonders groß. Daneben gibt es noch einige Charterfirmen, die mehr als 20 Privatflüge pro Tag durchführen. Laut Greenpeace soll es 2023 in Klagenfurt 1.148 Landungen von Privatjets gegeben haben. Allerdings sind die Zahlen im Privatflugbetrieb mit Vorbehalt zu verstehen, weil es keine amtliche Statistik gibt. Das will wohl niemand so genau wissen. Könnte man daraus doch u.a. Rückschlüsse auf den Flughafenbetrieb anstellen.

Für die Promis über den Wolken ist der Flughafen Klagenfurt ein Geheimtipp. Finanziert der Steuerzahler ihre Infrastruktur? Bild: Peter Baumgartner

Doch diese Voraussetzungen reichen Klagenfurt für die positive Betriebsdarstellung nicht. Der Steuerzahler muss tief in die Tasche greifen. Mit 138.000 Passagieren 2024, ist die Frequenz weiter gesunken (- 10,2 Prozent gegenüber 2023). Schuld daran war nicht die grüne Forderung nach einem Verbot von Inlandsflügen. Das wurde eh nie umgesetzt. Regionale Flughäfen können durchaus erfolgreich sein, hat der Flughafenexperte Stefan Höffinger herausgefunden – wenn sie eine gute Strategie und Führung haben. Das scheint im Umkehrschluss in Klagenfurt nicht gegeben zu sein, denn Höffinger empfiehlt gleichzeitig eine „umfassende Umorientierung“. Doch das hat er auch 2015 schon empfohlen und den Flughafen gibt es – verschlimmbessert, noch immer. Warum? Eine mögliche Erklärung hat der Experte selber geliefert. Schlimm ist die Irrelevanz, gibt Höffinger seine Erfahrung kund. Doch was ist relevant für den Flughafen Klagenfurt? Vor allem, wer sagt, was relevant ist? Vieles deutet darauf hin, dass ein lebhafter Flughafenbetrieb, wie man ihn gewohnt ist, nicht angestrebt wird (Betriebsansiedlung, Parkplatzmanagement, Vertreibung der Sportflieger etc.). Was, wenn die Passagierfrequenz gar nicht relevant ist und den beabsichtigten Betrieb sogar stört? Was, wenn es ausreicht, dass der Steuerzahler die Infrastruktur brav finanziert und den Flugbetrieb gewährleistet? Für die ungestörte private Nutzung aller Luxus-Vögel würde es reichen und reicht es seit mehr als 10 Jahren. Die brauchen keine Passkontrolle, Gepäcksaufgabe oder Infostand. Wenn Promis und „Owners“ die Sorge um die Pistenqualität und Flugsicherheit los sind, dann ist Klagenfurt ein (billiger) „Geheimtipp“. Dazu passt die Luftfahrtstrategie 2040+ der Bundesregierung, die sich ganz klar für den bedingungslosen Erhalt der Bundesländerflughäfen ausspricht. Dazu passt auch die Strategie des Kärntner Landeshauptmannes Peter Kaiser, der von Anfang an auf die „Kärntner Lösung“ gesetzt hat: Ein PPP-Modell vom Steuerzahler finanziert. 2006 kritisierte Kaiser seinen Vorgänger Haider. „Mit dem ist kein Flughafen zukunftsorientiert auszurichten“. Doch da hatte der Flughafen noch 400.000 Passagiere. Die sind nach 10-jähriger Kaiserzeit drastisch geschrumpft und der Rechnungshof stellte Anfang 2025 – rechtzeitig zum Kaiser-Jubiläum, ein vernichtendes Zeugnis nach der Flughafen-Prüfung aus. Alles nicht relevant?

Bestehende Logistikansiedlungen am Flughafen Klagenfurt lassen erwarten, dass wenigstens eine bemerkenswerte Luftfrachtabwicklung vorhanden ist. Doch tatsächlich wird seit Jahren Null umgeschlagen. Bild: Peter Baumgartner

Ohne Zweifel hat der Flughafen Klagenfurt abseits des Geheimtipps für private Flieger erhebliches Potential. Wir reden hier von den umfangreichen Liegenschaften, die laut Regierungsprogramm nicht veräußert, nur „in Wert“ gesetzt werden dürfen. Allein daraus erwächst dem Flughafen ein wachsender Reichtum und viel Raum für Immobilien-Deals. Für zusätzliche Tätigkeitsbereiche, wie sie beispielsweise in der Luftfahrtstrategie angeregt wurden, ist der Flughafen Klagenfurt geradezu prädestiniert – was von den Grünen wiederum mit Ansage torpediert wird. Vielleicht, weil sie sich ohnehin am Flughafen Laibach mehr zu Hause fühlen. Was die Logistik betrifft, setzt Kärnten seit Jahren voll auf die Weiterentwicklung des Standortes Villach-Fürnitz und hofft, mit dem „Jahrhundertprojekt“ Koralmbahn zur internationalen Drehscheibe zu werden und die Transportverlagerung Straße/Schiene voranzubringen. Gleichzeitig – und noch immer ohne Logistik-Masterplan, wird massiv in den Straßenbau investiert („Straßenbau-Offensive“). Was nach Widerspruch klingt, ist es auch. Das kann man an der Statistik ablesen. Folglich spielt das bedingungslose Bekenntnis zum Erhalt des Flughafens aus logistischer Sicht überhaupt keine Rolle. 2024 wurde über österreichische Flughäfen ein Rekordwert beim Frachtaufkommen registriert. 258.000 Tonnen. Ein Plus von 18 Prozent. In Klagenfurt könnte man annehmen, dass die vorhandene Betriebsansiedlung einen Teil dazu beigetragen hat. Doch das Gegenteil ist der Fall. Zuletzt gab es hier 2014 ein Frachtaufkommen von 3 (drei!) Kilogramm. Seither wird jedes Jahr Null an die Statistik gemeldet. Warum? Erklärung gibt es seitens des Flughafens dafür nicht. Man kann nur wieder annehmen, Frachtflüge sind für den Flughafen Klagenfurt auch „nicht relevant“. Das wird mit dem letzten bedeutenden Spatenstich in Klagefurt untermauert: Das Amazon-Verteilzentrum wurde im September 2022 im, vom Verkehr geplagten, Stadtgebiet und nicht am Flughafen eröffnet. Dennoch war die Stadt Klagenfurt, als Miteigentümer des Flughafens, stolz auf die erfolgreiche Betriebsansiedlung.

„Der Kuckuck und der Esel, die hatten einen Streit. Wer wohl am besten sänge zur schönsten Urlaubszeit“. Es wäre nicht Kärnten, wenn nicht jedes Thema im Wettstreit um die Deutungshoheit ausgetragen würde. Doch anders als beim bekannten Kinderlied ist es keineswegs gewiss, ob beim Flughafen-Lied der Kuckuck und der Esel jemals im Gleichklang singen werden.

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