RatSCHLAG

Berater ist quasi der Traumjob eines jeden ex-Politikers/Politikerin. Angebot und Nachfrage dürften ziemlich groß sein. Allerdings sind hier Berater und Influencer oft schwer zu unterscheiden.

Braingain von Ratschlägern und Influencern sollte bereits an der Grenze scharf kontrolliert werden. Eine „Braingain-tax“ ist zweckgebunden für die Caritas einzuführen.
Bild: Peter Baumgartner

Wie man weiß, wissen Politikerinnen schon zu ihren aktiven Zeiten alles besser (ohne es meist besser zu machen). Daher ist es naheliegend, dass ein Kanzler flugs zum Counselar wird, sowie die erste Politpension am Konto Existenzsorgen auslöst. Hayek-Fan Wolfgang Schüssel macht da keine Ausnahme. Nur hat er für laissez-fair eine individuelle Übersetzung gefunden: Lassen Sie die Wirtschaft machen – und den Staat dafür zahlen. Als Berater folgt er exakt den Verbindungen seiner Amtszeit rund um die Welt, zu den Denkschulen. Selbstredend, dass er dabei auch regelmäßig mit „wertigen“ Ratschlägen beladen nach Hause kommt, um „denen da unten“ via Medien mitzuteilen, was jetzt unbedingt zu tun sei und wie sie zu leben haben. Ich schlage vor, man sollte scharfe Grenzkontrollen und Einfuhrzoll für Ratschläge einheben und das Geld der Caritas spenden. Ich weiß nicht, ob Wolfgang Schüssel für seine zahlreichen Ratschläge in den Medien bezahlt wird. Wahrgenommen werden sie von mir jedenfalls eher als Schläge ohne beratende Absicht. Und solche Ratschläge sind nichts, wofür man freiwillig bezahlen sollte. Aber wer weiß, was die Medien mit unserem Fördergeld alles anstellen?

Aktuell gibt Schüssel im Zusammenhang mit der russischen Bedrohung ultimative Ratschläge. Die kommen quasi aus erster Hand und haben 100 Prozent Wahrheitsanspruch. Ex-Kanzler Schüssel zählt immerhin zum elitären Kreis derer, für die Putin noch ein „schenialer politischer Schachspieler“ war, als es bereits die Spatzen vom Dach pfiffen, dass der über Leichen geht. Nahtlos reiht sich Schüssel in die Reihe derer Österreicherinnen ein, für die Putin noch Freund, Gast und geschätzter Gesprächs- oder Geschäftspartner war, als seine Panzer längst die Krim völkerrechtswidrig einverleibt hatten. Schüssels Ratschläge sind aber vielleicht noch um ein paar Dimensionen vorsichtiger zu genießen. Im Gegensatz zu Karin Kneissl zum Beispiel, ist Schüssel ein Opportunist. Ex-Ministerin Kneissl steht wenigstens offen zu ihrer Meinung über Putin und lässt sich nicht verbiegen. Ex-Kanzler Schüssel hingegen möchte nicht nach St. Petersburg übersiedeln. Wohl, weil ihm in Österreich die Medien ohnehin zu Füßen liegen. Jetzt, wo der vom einstigen Schi-Spetzl angezettelte Krieg vor der Hietzinger Haustür steht, gute Ratschläge zu erteilen, was „wir“ dagegen tun müssen, erfordert schon ein gerüttelt Maß man an Selbstüberschätzung. Auf solche (Rat)Schläge kann ich verzichten. Sie erinnern mich zu sehr an die Antworten von Radio Jerewan.

Ähnliche Beiträge

  • |

    AARHUS und die NGOs

    Text: Peter Baumgartner Am 6. Oktober 2023 steht die „Bürgerinitiative“ Zukunft Görtschitztal beim Bundesverwaltungsgericht (BVwG) in Wien wieder als „gleichberechtigter“ Diskussionspartner vor dem Richter. „Gemeinsam“ mit Sachverständigen (SV), Anwaltskanzleien der Projektwerber und UVP-Behörde soll verhindert werden, dass es im geschundenen Tal zu einem weiteren Umweltdesaster kommt. Die dänische Wikinger Stadt Aarhus ist seit 25. Juni…

  • Fleckerlteppich ist bunt

    Star-Designer Stefan Sagmeister sagt, man muss die Schönheit fördern – auch im Mobilitätsbereich. Menschen brauchen Schönheit im Leben. Kleine Zeitung Redakteur Josef Fröhlich findet die im Beitragsbild dargestellte Aussicht auf Bodenfraß gut. Er spricht von einem „löchrigen“ Autobahn- und Schnellstraßennetz und meint damit den fehlenden Lückenschluss zwischen S 36 und S 37, der eine neue…

  • „Yabba Dabba Doo!“

    Die Geröllheimer sind überall. Kein noch so schönes Naturschutzgebiet ist vor den Sprengmeistern sicher und was Anrainer als Frevel an der Natur beklagen, ist für die Montanindustrie ein Investment. Text: Peter Baumgartner. Seit Jahren kämpft die überparteiliche Bürgerinitiative „Nein zum Neupersteinbruch am Windischberg!“ gegen ein Steinbruchprojekt, das direkt an das Kärntner Europaschutzgebiet Mannsberg-Boden angrenzt. Für…

  • Achtung Steinschlag!

    Das Klima, die Geologie, Tiere und auch Menschen, die Ursachen eines Steinschlages sind vielfältig. Weniger bekannt, aber auch oft im Zusammenhang mit dem Klimawandel stehend ist, dass zunehmend Juristen Steinschlag verursachen. Ob es dabei bei einem Glasbruch bleibt, oder ein lawinenartiger Felssturz daraus entsteht, liegt in der Hand von Gerichten. „Mir wern kann Richter brauchen“…

  • David gegen Goliath

    „Es ist schwer die Welt ehrenamtlich zu retten, wenn sie von anderen professionell zerstört wird.“ Die Bürgerinitiative Zukunft Görtschitztal, hat einen Bericht zur aktuellen Lage in der juristischen Auseinandersetzung zwischen UVP-Behörde Land Kärnten und IZG verfasst. Für Leser, denen das Görtschitztal noch nicht so geläufig ist, dass ist jene himmlische Gegend, wo Menschen der lebende…

  • Geburtslotto bestimmt Bildungschancen

    Text: Peter Baumgartner Barbara Blaha, Kopf der Denkfabrik Momentum, will sich Gedanken für „die Vielen“ machen. Themen wie Armut/Reichtum, Gerechtigkeit, Chancengleichheit und das in Frage stellen von bestehenden Machtverhältnissen, steht immer auf der Tagesordnung des Instituts. Im Zusammenhang mit den Themen und der behaupteten Unabhängigkeit des Instituts muss allerdings erwähnt werden, dass zuletzt mehr als…