Geburtslotto bestimmt Bildungschancen

Text: Peter Baumgartner

Barbara Blaha, Kopf der Denkfabrik Momentum, will sich Gedanken für „die Vielen“ machen. Themen wie Armut/Reichtum, Gerechtigkeit, Chancengleichheit und das in Frage stellen von bestehenden Machtverhältnissen, steht immer auf der Tagesordnung des Instituts.

Die Bildungschancen eines Kindes entscheiden sich im Moment der Geburt, sagt Barbara Blaha vom Momentum Institut. Es kann aber auch anders kommen.
Bild: Peter Baumgartner

Im Zusammenhang mit den Themen und der behaupteten Unabhängigkeit des Instituts muss allerdings erwähnt werden, dass zuletzt mehr als die Hälfte des Jahresbudgets (2 Mio.) von den Zwangsmitgliedern der Arbeiterkammer und vom ÖGB gespendet wurde. Interessant ist im Zusammenhang mit den speziellen Themen, die Momentum bearbeitet, das Engagement der ÖGB-Privatstiftung zu sehen, wo der SPÖ-Multifunktionär Andreas Staribacher die Fäden in der Hand hat. Als einer der „Nadelstreif-Sozis“ und Vranitzkys Finanzminister, ist Staribacher quasi der Dagobert Duck des ÖGB-Geldspeichers. Und mit dem Hintergrund der (BAWAG)Bankengeschichte, ist das Momentum-Engagement des ÖGB bestenfalls als mea culpa zu deuten. Aber das ist wahrscheinlich eine Frage der Perspektive und soll hier auch nicht Thema sein.

Thema ist hingegen, das Momentum Institut setzt gemeinsam mit seinem Spenderrückhalt Kreiskys Polit-Irrtümer in einer Art und Weise und mit einer Konsequenz fort, die fast schon zum Mitleid anregt. Aktuell steht die Bildungsagenda „Studium für alle“ auf der Tagesordnung. Die Kreisky-Hochschulpolitik (1972 freier Zugang) führte bekanntlich dazu, dass sich die Anzahl der Studierenden zum Beispiel an der Uni Wien von 1970 bis 1980, mit allen negativen Begleiterscheinungen, mehr als verdoppelte und bis 1990 nochmals um mehr als 100 Prozent zunahm. Trotzdem blieben die Studienabschlüsse mit Doktorat weit zurück. Was stieg, waren nur die Kosten, die Dropout-Rate und die Studiendauer wurde immer länger. Und, plötzlich entstanden „prekäre Arbeitsverhältnisse“, weil es gar nicht so viele Jobs für „Gstudierte“ gab. Gestoppt, aber nicht beendet, wurde das Massenstudium von der ÖVP/FPÖ Regierung erst 2001. Bis heute ist die Zahl der neuen Dotores eine Minderheit. Dafür wächst der Facharbeitermangel. Daran hat auch „Lehre mit Matura“ und andere „Verbesserungen“ nichts geändert. Mittlerweile treffen Eltern die Studienwahl für ihre Kinder, angefeuert von den gesellschaftlichen „Normen“, schon im Kindergartenalter – auch wenn es jetzt etwas mehr kostet, als unter Kreisky. Genau in diese Kerbe schlägt jetzt wieder das Momentum Institut und wirbt frei nach dem 60er-Slogan „Wer a Geld hat, kann studieren. Wer kans hat, darf krepieren“, für (kostenlose) frühkindliche Bildung, damit möglichst alle auf die Uni kommen. Denn nur mit Uni-Abschluss, so wird impliziert, sind Aufstieg und materieller Wohlstand garantiert. Im Umkehrschluss lautet die Botschaft, wer einen Beruf lernt und arbeitet wird nicht „performen“. Diese Botschaft ist in Österreich flächendeckend angekommen!

Pssst! Bitte nicht stören. Hier schläft Dr. Oberschicht.
Bild: Peter Baumgartner

Barbara Blaha, als „Gstudierte“ aus einer Arbeiterfamilie, kennt sie die Geschichte. Man stellt sich also die Frage, warum wiederholt sie die alten Fehler? Realitätsverweigerung wird es wohl nicht sein. Bleibt eigentlich nur der Gedanke der Wahlhilfe für ihre Gönner. Weil sie eine Checkerin ist und beide Sprachen spricht, kann sie Übersetzerin sein. Es ist zwar klar, dass ein Studienabschluss nicht die Zielvorstellung für alle sein kann. Wenn ein Esel zur Schule geht, kommt er nicht als Pferd heraus (Bruegel). Und solange Facharbeiter gebraucht werden, soll auch nicht jeder studieren. Aber die Forderung klingt gut und lässt sich von einer (wahlwerbenden) Partei gut verkaufen. Besonders von Parteien „für die Leut“. Das „Geschäftsmodell“ der sozialdemokratisch/sozialistischen Parteien ist ja, die Wähler möglichst bedürftig zu halten. Sie sollen nicht verhungern und auch nicht blöd sterben, aber zu gscheit und wohlhabend sollen sie auch nicht werden. Dann sind sie als Zielgruppe nämlich verloren. Also erzählt man ihnen was sie alles haben könnten, aber nicht bekommen, wenn die Konkurrenz die Wahl gewinnt und Entscheidungen trifft.

Im Wahljahr 2024 will das Momentum Institut der „fokussierten Unintelligenz“ entgegenwirken. Die erste Feuerprobe, die EU-Wahl, hat man jedoch schon vergeigt. Statt die Wahrheit über die Geschichte der Altparteien (inklusive KPÖ) zu erzählen, hat man ganz dem Medientrend folgend – Demokratie hin oder her, die rechtmäßige Teilnahme der Kleinparteien KPÖ Plus und DNA mit ihren Wahlprogrammen verschwiegen. Aber, und auch das ist typisch für die aktuelle Diskussionskultur, was nicht der eigenen Meinung entspricht, wird als Scheindebatte typisiert, als Ablenkungsmanöver wahrgenommen oder gar als Provokation empfunden. Demokratie wird nur noch als monetäres Gebilde mit Sprachstörung verstanden.

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